Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Achtes Buch. Zweites Kapitel. 
Allein auch mit Ausgang der Karlingenzeit war die Ur—⸗ 
kraft des Waldes noch längst nicht gebrochen. Noch immer galt 
der Wald als unabsehbar reiche Vorratskammer der Nation: 
Dem richen walt es lützel schadot, 
Ob sich ein man mit holze ladet, 
heißt es noch in Freidanks Bescheidenheit, im Zeitalter Kaiser 
Friedrichs II. Nirgends fehlte noch bis auf diese Zeit wirr⸗ 
sprossende Wildnis; noch viel später denkt sich der Deutsche 
die Mächte der Unkultur im Walde hausend; erst um die Mitte 
des 14. Jahrhunderts wird gelegentliche Klage über Waldmangel 
laut. Und noch heute ist Deutschland von allen Ländern hoher 
Kultur wie das an Gebirgsschönheiten mannigfachste, so das an 
Wäldern weitaus reichste, und noch heute weiß unser Volk von 
jenen Schrecken und Lockungen der Waldeinsamkeit zu erzählen, 
die sich früheren Generationen zu tausend Gestalten heimischer 
Sage verdichteten. 
So konnte noch in der deutschen Kaiserzeit und vornehm— 
lich im Zeitalter der Salier und Staufer eine neue große 
Periode des Waldausbaues einsetzen, ehe den deutschen Ur⸗ 
wäldern das Wirtschaftsgut vollendeter Wohnlichkeit im Lande 
abgestritten war. 
Freilich war diese zweite und letzte große Ausbauperiode 
unserer Wälder von der ersten mannigfach verschieden. Im 
8. bis 8. Jahrhundert war vor allem der Gemeinfreie Träger 
der Waldsiedelung gewesen; in genossenschaftlichem Verbande 
hatten die jungen Männer des Volkes ein neues Heim in den 
Tiefen der Waldthäler gesucht. Diese Art des Ausbaues 
hörte jetzt noch nicht völlig auf; namentlich im Osten der 
Mittelgebirge wie der Alpen erlebte sie noch eine Nachblüte. 
Im allgemeinen aber ging der freie Mann anders vor, 
soweit er sich am Waldausbau dieser Periode noch beteiligte. 
Wie lange schon waren die alten markgenossenschaftlichen Glie— 
derungen der dörflichen Nachbarn im Zerfall begriffen! Wie 
individualistisch war bereits, im Vergleich gegen früher, die 
Wirtschaft des einzelnen Bauern geworden! Wie der Freie 
selbständiger geworden war im heimatlichen Dorf, so ging er
	        
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