Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Achtes Buch. Zweites Kapitel. 
land um zu Wechselacker und Wechselwiese: war es einst der 
gemeinsame Kampf gegen die Urgewalt einer wilden Natur 
gewesen, der zu genossenschaftlichem Anschluß zwang und ge— 
meinsamer Nutzung, so war es jetzt das stark entwickelte und 
individuelle Interesse aller an der gründlichen und für alle gleich— 
mäßigen Ausbeutung der letzten gemeinsamen Nutzungen, das 
uralte Formen in neuer Bedeutung wieder aufnahm. 
Kaum vier bis fünf Generationen später aber sprengte der 
individuelle Wettbewerb völlig die alten Fesseln. Schon in der 
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnen in fortgeschrittenen 
Gegenden die alten Allmenden geteilt zu werden; überall erheben 
sich Streitigkeiten über deren Recht und Besitz zwischen Gemein— 
den und Genossen. Der völlige Zerfall der alten markgenossen⸗ 
schaftlichen Betriebsgemeinschaft, die allseitige Entwickelung ganz 
anderer Wirtschaftsmächte tritt zu Tage. 
In der That hatte Kolonisation und Ausbau während des 
10. bis 18. Jahrhunderts die wirtschaftliche Lage der Bewohner 
des platten Landes völlig geändert. Hatte man noch in der 
Karlingenzeit Wald und Land als unerschöpfliches Gut der 
Nation betrachtet, wie Sonne, Luft und Wasser: jetzt zeigte sich 
immer deutlicher die Begrenztheit der geographischen Grundlage 
des nationalen Lebens. Der agrarische Nahrungsspielraum, einst 
unermeßlich, verengte sich, zumeist und zuerst am Rhein, in 
Schwaben und Franken, später in Sachsen, endlich auch in 
Bayern, Tirol und Steiermark; es galt, sich auf begrenztem 
Raume zurechtzufinden. Noch mehr, als bisher, erschien der 
Boden als wirtschaftlicher Wert; unablässig steigerte sich des— 
halb sein Preis: vom 9. bis zum 12. Jahrhundert scheint 
er in reich entwickelten Gegenden um das zwölffache gestiegen 
zu sein, und noch später bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahr⸗ 
hunderts läßt sich ein Emporschnellen um etwa 40 0/0 wahr⸗ 
nehmen. 
Erwägt man nun, daß gleichzeitig der Boden noch immer 
als einzige Grundlage sozialen und politischen Einflusses in 
der Meinung namentlich der führenden Schichten des Volkes
	        
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