Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 155
loben!; Willfährigkeit gegen Dänemark erschien ihm als un—
ausweichliche Vorbedingung wittelsbachisch-märkischer Herrschaft.
In der That ist Brandenburg von diesem Augenblick an bis
zur Vereinigung mit dem Reiche Karls IV. (29. Juni 1874)
allen Ansprüchen auf eine Herrschaft über die Ostsee fern ge—
blieben; der Grenzlande beraubt, von fremden Kriegsscharen,
selbst Pommern und Polen verwüstet, hat es unter den Wittels—
bachern niemals bessere Zeiten gesehen.
Unter diesen Umständen gab es gegen die dänische Über⸗
macht nur noch Eine kriegerische Hilfe, das Eingreifen Holsteins,
und Eine den Deutschen sonst noch günstige Aussicht: daß diese
Übermacht sich in sich selbst verzehrte. Beides traf seit etwa
1320 ein.
Schon König Erich hatte einige Grundlagen der dänischen
Macht untergraben. Er war ausgeprägt ritterlich, freigebig,
liebte den Aufwand; an seinem Hofe verkehrte die Blüte der
erst damals recht entwickelten nordischen Ritterschaft, nach—
dem das lustige Leben am askanischen Hofe Ottos mit dem
Pfeile, des Minnesängers (1266 —-1308), erstorben war. Das
bedeutete eine friedliche Invasion der Deutschen auf dem Wege
dänischen Kriegsdiensts; es veranlaßte zugleich den finanziellen
Ruin des niemals reichen Landes. Große Teile des Königs⸗
gutes wurden dem deutschen und dänischen Adel verpfändet;
erdrückend legte sich ein starres, durch die Verpfändungen be—
sonders aussaugerisch gestaltetes Lehnswesen über das Land.
Und schon begannen die auswärtigen Vasallen aus der ewigen
Geld- und Kriegsnot des Königs Gewinn zu ziehen; dem
Herzog Heinrich von Mecklenburg mußte gegen Schluß der
Regierung Erichs Rostock mit Zubehör überlassen werden, jene
Stadt, mit deren Erwerb die neue Ausbreitung dänischer
Macht begonnen hatte. König Christoph aber, der neue
Herrscher, war durchaus nicht darnach geartet, den bereits
merklichen Verfall aufzuhalten: ein gewaltthätiger und leicht—
sinniger Abenteurer, rief er immer weitere Ritterscharen ins
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