Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

240 F Zwölftes Buch. Zweites Kapitel. 
Und andererseits schleppte die Marktpolizei in ihren Ein— 
richtungen auch noch manchen Rest früherer wirtschaftlicher 
Anschauungen mit sich, bei dem schon längst Vernunft zu Un— 
sinn, Wohlthat zur Plage geworden war. Das galt namentlich 
oon der oft noch obligatorischen Kontrolle alles Maßes und Ge— 
wichtes auf offiziellen Wagen und Maßen vor eigenen Rats— 
wiegern, Ratsmüddern, Ratsvirgulieren, und wie das Heer 
der sonst noch angestellten Unterbeamten hieß. In früherer, 
wirtschaftlich weniger entwickelter Zeit war es in der That 
notwendig gewesen, sich für jedes größere Geschäft der öffent— 
lichen Maße und Wage zu bedienen; noch gab es wenige 
weiterhin verbreitete Maße neben einer unendlichen lokalen Man— 
nigfaltigkeit; und das Verhältnis der Lokalmaße untereinander 
war dem fremden Kaufmann oft unbekannt und mußte darum 
durch öffentliche Autorität verbürgt werden. Deshalb hatten in 
der früheren Hälfte des Mittelalters die Stadtherren öffentlich 
Wiege- und Maßgelegenheit gegen eine gewisse Abgabe gewähr-— 
leistet. Mit dem Verschwinden der alten Stadtherrschaften 
waren diese Wagen und Maße meist an die neue bürgerliche 
Stadtverwaltung übergegangen; bei steigendem Verkehr wurden 
sie immer mehr benutzt, brachten sie immer mehr ein. Bald 
überwog ganz der finanzielle Gesichtspunkt, er wurde von der 
Stadtverwaltung in so hohem Grade anerkannt, daß man an 
der veralteten, den Verkehr jetzt erschwerenden Einrichtung trotz 
allem festhielt. 
Zeigen sich so an der Beibehaltung einiger veralteter Ein— 
richtungen, wie an der Feststellung einiger neuer unbegründeter 
Verkehrserschwerungen die ersten Spuren eines Sinnes, der nicht 
mehr dem im ganzen kräftigen, ja kühn-verwegenen Fortschritt 
des 14. Jahrhunderts entspricht, so wird doch das allgemeine 
Urteil über die Ausbildung der städtischen Wirtschaft dieser 
Zeit nur günstig lauten können. Der Ausbau eines neuen, 
bürgerlichen Lebens war auf fester Grundlage erfolgt und hatte 
sich zu gesunden Erscheinungen verdichtet. Zwar zeugen alle 
diese Erscheinungen noch von einem überwiegend auf das Reale, 
sogar Materielle gerichteten Sinne; aber noch galt es, erst die
	        
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