Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Wiederherstellung des nationalen Königtums. 9 
vorgegangen; und als diese daheim nach dem Ausbau des 
Landes ein Feld der Thätigkeit nicht mehr fand, hatte sie sich 
unter dem Drucke starker Bevölkerungszunahme nach außen 
gewandt. Der Ruf zur Fahrt nach Osten war erschollen; in 
friedlicher Reise war man noch jetzt im Begriff, jenseits der 
Elbe und an den mittleren Flußläufen des Donaugebietes Drei⸗— 
fünftel des heutigen deutschen Bodens zu gewinnen?. Es war 
ein Vorgang ohnegleichen: kein Zweifel, daß er dereinst der 
Macht und Größe des Vaterlandes, wie der festen Verklam— 
merung seiner einzelnen Teile dienen würde. Aber vorläufig 
war doch dies allein nicht die Wirkung. Die Gegenden des 
Mutterlandes wurden eines trefflichen Teils ihrer Bevölkerung 
in ungleicher Weise beraubt und darum in ihrer gegenseitigen 
Machtstellung erschüttert, und dem Mutterlande stellte sich das 
Kolonialgebiet einstweilen mit andern Sitten, abgewandeltem 
Deutschtum, veränderter Konstruktion seiner Staatsgewalten 
gegenüber. Die Zeiten der Endosmose, der engsten gegenseitigen 
Durchdringung von Mutterland und kolonialem Boden brachte 
zwar eine nahe Zukunft in der Entwicklung der Hanse wie 
in den Hausmachtbestrebungen der Habsburger, Adolfs von 
Nassau und der Luxemburger, die alle von dem mutterländischen 
Westen in den kolonialen Osten strebten: — allein diese Zeiten 
waren noch nicht angebrochen?. 
Über die reife Naturalwirtschaft endlich, wie sie vor allem 
gekrönt ward durch das Werk der östlichen Kolonisation, war 
die junge Geldwirtschaft der Städte emporgewachsen. Gewiß 
hat nichts die Nation schließlich wahrhaftiger und mehr aus 
dem innersten Kern der Entwicklung heraus geeint, als 
eben das stille Wachsen geldwirtschaftlicher Beziehungen, von 
der Begründung des rheinischen Münzvereins im Jahre 
1386 und dem reißenden Wachsen der Handelsbeziehungen im 
14. und 15. Jahrhundert ank bis zum Zollvereinssystem des 
1VBgl. Band III S. 857 ff. 
2 Vgl. hierzu Band III S. 802, 303. 
3S. Band VILSG. 40 ff.
	        
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