Full text: Russlands Bankerott

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Die Gesamt summe der bäuerlichen Steuerrückstände (obgleich 
der russische Steuererheber zweifellos nicht sentimentaler ist als irgend 
einer seiner Kollegen) hat sich von 1892 bis 1901 um 78,5 Prozent 
vergrößert (Rohrbach S. 59). Dies ist nicht wunderbar, denn 
der Ertrag des Bodens ist zurückgegangen, die Ergiebigkeit des Schwarz 
erderayons um volle 27 Prozent. In den 25 Jahren von 1870 bis 
1894 hat sich die gesamte russische Getreideproduktion zwar von 400 
bis auf 515 Millionen Hektoliter vermehrt, die unter Kultur befindliche 
Anbaufläche ist in noch schnellerem Maße gewachsen als der Ernte 
ertrag (Rohrbach S. 59). Durch die überseeische Konkurrenz ist der 
Wert des Getreides gesunken. In der Zeit von 1885 bis 1892 wurden 
rund 3 Milliarden PndZ Getreide im Werte von 2i/z Milliarden Rubel 
ausgeführt, 1893 bis 1900 4 Milliarden im Wert von 2 2 ( 3 Milliarden 
Rubel. Auf den Kopf der Bevölkerung kommt im Jahre 1870 noch eine 
Ernte von 5,5, 1894 aber nur noch von 4,9 Hektolitern (Rohrbach S. 47). 
In Rußland werden auf den Kopf der Bevölke 
rung, wenn man den Nährwert der Kartoffel im Verhältnis zum 
Getreide auf ein Viertel ansetzt und demgemäß ein Mertel der Kar 
toffelernte zu dem Getreidequantum zuschlägt, im Mittel der Jahre 
1883—1898 nach Abzug der Aussaat 22,4 Pud geerntet, in 
Deutschland werden 24,2 Pud jährlich pro Kopf ge 
erntet. — Der Verbrauch in Deutschland, welches eine 
starke Einfuhr in Cerealien hat, beträgt aber sogar 27,8 Pud 
per Kopf. (Rohrbach S. 50 1.) Bei einer Ernte von 22,4 Pud ex 
portiert Rußland Getreide, bei einer Ernte von 24,2 Pud importiert 
Deutschland Cerealien. — Wenn der Russe ebensoviel Ge 
treide verzehren sollte wie der Deutsche, so würde 
nicht nur kein Export von Getreide stattzufinden 
haben, sondern es müßte im Gegenteil Rußland Ge 
treide in einer Quantität einführen, welche unge 
fähr dem vierten Teil der russischen Ernte gleich 
käme. — Dabei hat natürlich in anderen Lebensmitteln, wie Fleisch, 
Zucker usw., der Deutsche einen weit größeren Konsum als der Russe. 
— Der große russische Getreideexport kommt also nicht davon, daß der 
russische Bauer mehr produziert, als er normalerweise verzehren kann, 
sondern davon, daß er sich nicht satt ißt. Daher ist die Sterblichkeit 
in Rußland eine abnorm hohe. — Mit durchschnittlich 34,8 jährlichen 
Todesfällen auf das Tausend wird sie, wie Rohrbach (S. 53) angibt, 
soweit Statistiken existieren, nur von der Sterblichkeit in Honduras, den 
Fidschi-Inseln und der der weißen Bevölkerung in Niederländisch-Jndien 
übertroffen. In Oesterreich ist die Sterblichkeit nur 30,9 — in West 
europa zirka 22—25. — Das russische Vieh ist minderwertig, franzö 
sisches Rindvieh wiegt durchschnittlich 25 Pud, russisches gewöhnlicher 
Sorte kaum die Hälfte, das Lebendgewicht des französischen Pferdes be 
trägt im Durchschnitt 29 Pud, das des russischen Bauernpserdes 12—18 
Pud. (S. 51.) Ebenso mangelhaft wie in qualitativer Beziehung ist 
Die rusfische 
Ernte. 
Das russische 
Vieh. 
>) 1 Pu» — 16,3 Kilo.
	        
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