Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

12 Elftes Buch. Erstes Kapitel. 
gereiht lagen größere pfaffenfürstliche Länder eigentlich mir im 
ZSüdosten (Aquileja, Trient, Salzburg) und im Nordwesten 
Köln, Utrecht, Münster, Paderborn, Osnabrück, Bremen). 
Unter diesen Umständen hätten die Pfaffenfürsten sich als be— 
sondere politische Gruppe dauernd nur dann entwickeln können, 
wenn ihnen ein besonderes auf nationalem Boden erwachsendes 
Standesbewußtsein neuen Halt gegeben hätte. Allein hiervon 
war in keinem Sinne mehr die Rede. Seit den großen Ge— 
setzen der Staufer zu ihren Gunsten waren sie Fürsten, wie 
andere Fürsten auch; ihre specifisch geistigen Interessen im 
universalen und nationalen Sinne traten zurück, die Landes— 
herrlichkeit siegte. 
Die Gebiete der Laienfürsten, wie sie sich seit den Privi— 
legien Friedrichs II. immer mehr befestigten und innerlich durch⸗ 
hildeten, waren nach Größe und Bedeutung in den einzelnen 
Gegenden deutschen Bodens sehr verschieden gelagert. 
Im Mutterland wies das süddeutsche Centrum, Schwaben 
und Franken, die ärgste Zersplitterung auf. An der Westgrenze 
des Mutterlandes dagegen, an der sich die Landeshoheit früher 
und folgerichtiger ausgebildet hatte, wurde der Charakter des 
Reichs schon wieder durch eine Anzahl mittelgroßer Territorien 
bestimmt; hier folgten sich ohne größere Unterbrechung durch 
Miniaturterritorien die Grafschaft Habsburg, das Herzogtum 
Lothringen, die Grafschaft Luxemburg, das Herzogtum Brabant, 
die Grafschaften Geldern und Holland, Gebiete meist vom 
halben Umfang etwa einer heutigen preußischen Provinz. Die 
eigentlich großen Territorien des Mutterlandes aber lagen an 
der Ostgrenze. Hier hatte ein Jahrhundert früher Heinrich der 
Löwe ein Reich besessen beinahe so groß, als das heutige 
Preußen. Mehr als Zweifünftel des gesamten Reichsbodens 
umfassend hatte es, auf die Herzogtümer Sachsen und Baiern 
gestützt, fast die ganze Ostgrenze des Mutterlandes beherrscht, 
und zwischen Eisenach, Leipzig und Bamberg waren sich seine 
nördlichen und südlichen Teile auf kaum hundert Kilometer 
S. Band III S. 276 f.
	        
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