Wiederherstellung des nationalen Nönigtums. 13
Entfernung nahegetreten. Dies Reich aber, eine beständige Ge⸗
fahr für jeden, auch den mächtigsten deutschen König, war mit
dem Sturze Heinrichs zersprengt worden!. Im Norden waren
die zu neuen Territorien umgebildeten Sprengstücke klein und
unansehnlich; das Herzogtum raunschweig⸗ Lüneburg, bald noch
das umfangreichste aller neu entstandenen Länder, war dennoch
kaum halb so groß, als Brandenburg oder Böhmen. In Süden
wurde nicht so gründlich zerschlagen, aber doch ging auch hier
selbst das größte Territorium, Bayern, geschwächt aus der
Katastrophe hervor. Wenn gleichwohl die Wittelsbacher, die
Beherrscher Bayerns eben seit dem Sturze Heinrichs des Löwen,
don nun ab eine der wichtigsten Rollen unter den Laienfürsten
des Mutterlandes spielten, so hing das zunächst und noch
auf lange von der Thatsache ab, daß sie seit 1214 bzw. 1227
zugleich im Besitze der rheinischen Pfalzgrafschaft waren, die,
ausgehend von einst reichem Besitze um Achen und in der
Eifel, sich eben damals in den unteren Gegenden des Ober⸗
rheinthals, in der heutigen Pfalz und um Heidelberg zu kon⸗
solidieren begann. Nun wurde allerdings der wittelsbachsche
Gesamtbesitz im Jahre 12655 auf längere Zeit hin geteilt, in—
dem Niederbayern und Oberbayern mit der Pfalz als gesonderte
Territorien auseinandertraten; allein auch dann noch blieb
Oberbayern, sieht man von den seit Rudolf von Habsburg
begründeten Hausmächten ab, bis etwa zur Mitte des
14. Jahrhunderts eines der wichtigsten Länder im alten
Deutschland.
Gegenüber all diesen Territorien im Mutterlande trat der
Besitz nur allzu sehr zurück, der noch unmittelbar in der Hand
des Königs verharrte. Zwar hatte noch Kaiser Friedrich J.
kräftig erworben; zu seinem großen Hausgut, zum salischen und
welfischen Erbe fügte er zahlreiche Kirchenlehen und Vogteien;
in seiner Hand waren das Herzogtum Schwaben mit dem Elsaß,
das ostfränkische Herzogtum, die Grafschaft Burgund und zeit⸗
S. Band III S. 140.