Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Knin im Innern. 477 
wenigstens in der Westhälfte der Ostsee noch erhalten bleiben? 
War überhaupt der alte Bestand des hansischen Bundes mit 
seinen livischen, gotischen, preußischen Anteilen noch denkbar? 
Die Hanse hatte dem beginnenden Kampfe zwischen dem 
Deutschorden und Polen unthätig zugesehen. Er befreite sie 
von der drohenden Seeherrschaft des Ordens; zudem war sie 
soeben in nordische Kämpfe verwickelt worden. In den nordischen 
Reichen war der großen Königin Margaretha ihr Vetter, Erich 
der Pommer, gefolgt. Unentrinnbar befangen in den Vor—⸗ 
urteilen, die seine kleinfürstliche Erziehung in Deutschland ihm 
mitgegeben hatte, trachtete er während seiner langen Regierung 
kaum nach etwas anderem, als nach der Wiedereroberung 
Schleswigs, auf das Margaretha zu Gunsten des Holsteiner 
Hauses verzichtet hatte. Es war eine politische Richtung, der 
die wendischen Städte entgegentraten, freilich ohne die Hilfe 
der livischen und preußischen Städte zu finden. So kam es zu 
einem langwierigen Kampfe, der trotz der geringen Beliebtheit 
Erichs in den skandinavischen Reichen und trotz des geringen 
Verständnisses, das man dort dem spezifisch dänisch-deutschen 
Kriege entgegenbrachte, dennoch zu Ungunsten der Hanse endete. 
Zwar mußte Erich im Wordingborger Frieden des Jahres 1435 
die alten Privilegien der Hanse in allen drei Reichen wieder be— 
stätigen; aber die Union blieb erhalten, und dem Könige konnte 
nicht verwehrt werden, nach dem Frieden auch weiterhin die 
Engländer und Holländer durch den Sund zum Ostseehandel 
zuzulassen, wie er das während des Kampfes mit Erfolg zur 
Schwächung des hansischen Ostseeverkehrs gethan hatte. Inner— 
halb der Hanse aber waren während des Kampfes zum ersten⸗ 
male die abweichenden Interessen der wendischen, preußischen 
und livischen Städte bis zu vollster Uneinigkeit hervorgetreten; 
schon im Jahre 1431 konnte man darum in Hansekreisen besorgen, 
dat id darto Komen wolde, dat een islich sin egene beste 
soken unde proven moste, darmede de erlike bund unser 
hense welde geloset unde verstrowet werdens. Unter diesen 
v. d. Ropp, Hanserecesse von 1431-1476 1, Ar. 11.
	        
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