Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Wiederherstellung des nationalen Königtums. 33 
vielmehr von dem innersten Bedürfnis seiner Seele, auch in 
Deutschland wie überall Frieden zu stiften, versuchte er zunächst 
zwischen Rudolf und Otokar zu vermitteln. Erst als Otokar 
auf wiederholte Versuche in dieser Richtung gar nicht oder nur 
zögernd einging, anerkannte — oder wie er sich ausdrückt — 
nominierte der Papst König Rudolf (26. September 1274)1. 
Für Rudolf war das das Signal zum Vorgehen gegen 
Otokar. Auf einem Nürnberger Reichstag des Novembers 
1274 begann er die Festsetzungen über die Rückforderung des 
entfremdeten Reichsgutes auf die böhmische Frage anzuwenden. 
Es wurde beschlossen, daß ein Reichsfürst, der das in seinen 
Händen befindliche Reichsgut nicht binnen Jahr und Tag nach 
der Krönung beim König als zu bestätigendes Lehen nachsucht, 
dieses Gutes verlustig erklärt werden soll. Weigert er sich 
dann der Rückgabe, so soll der König vor einem Fürstengericht 
unter dem Vorsitz des Pfalzgrafen gegen ihn Klage einbringen. 
Es waren offenbar auf Otokar gemünzte Bestimmungen, denn 
Dtokar hatte die Belehnung nicht erbeten. Um gegen ihn vor— 
zugehen unter dem Beistand oder wenigstens der Sympathie 
der Fürsten, trug Rudolf kein Bedenken, den Pfalzgrafen und 
den Umstand des pfalzgräflichen Gerichtes als Richter in seiner 
Sache anzuerkennen. Und alsbald, Anfang des Jahres 1278, 
machte er Otokar den Prozeß. Als eine wiederholte Vor— 
ladung Otokars erfolglos blieb, wurden ihm seine Lehen ab— 
zesprochen; da er sie nicht herausgab, blieb nur eine Losung: 
der Krieg. 
Rudolf hatte den Feldzug diplomatisch aufs trefflichste 
vorbereitet. Der Bischof von Trient und der Patriarch von 
Aquileja waren von Otokar beleidigt: Rudolf knüpfte mit 
ihnen an. Den Grafen von Görz, der reichen Landschaft an 
der Adria, war im Jahre 12853 der Besitz der Grafen von 
Tirol zugefallen; jetzt regierte in Görz Graf Albert, in Tirol 
sein Bruder Meinhard II. König Rudolf verlobte seinen Sohn 
Albrecht mit Elisabeth, einer Tochter Meinhards; Meinhard 
1Vgl. dazu Band III S. 292. 
damprecht, Deutsche Geschichte. IV.
	        
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