Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 448 
oberen Lande her gegen die schwachen schwedischen Garnisonen 
vor; sie fielen; und im Frühjahr 1656 hatten die Schweden 
von wichtigen Punkten nur noch Krakau, Warschau, Petrikau, 
Tykoczin in der Gewalt. 
Bei dieser Wendung des Glückes wurde der Brandenburger 
Kurfürst, der sein Heer, zum Teil auf Grund eines mit Frank— 
reich abgeschlossenen Defensivbundes, noch immer beisammen 
hatte, über Nacht ein begehrenswerter Freund. Um so mehr, 
als in diesem Augenblicke auch die Russen, nach langem 
Zögern, Miene zu machen schienen, gegen Polen und 
Schweden zugleich vorzugehen. So bequemten sich denn die 
Schweden zu neuen Verhandlungen, deren Ergebnis in dem 
Marienburger Vertrage vom 25. Juni 1656 zusammengefaßt 
wurde. Da erhielt der Kurfürst zwar immer noch nicht das 
Ziel seiner höchsten Sehnsucht, die Souveränetät Preußens; 
doch wurden seine Lehnspflichten ermäßigt, und für die Unter— 
stützung Schwedens mit seiner gesamten Armee wurde ihm aus 
der erhofften polnischen Beute der größte Teil von Großpolen, 
nämlich die Woiwodschaften Posen, Kalisch, Lenczycz und Sieradz 
und die Landschaft Wielun zu souveränem Besitze zugewiesen. 
Dieser Inhalt des schwedisch-brandenburgischen Bündnisses 
gehört der deutschen Geschichte weit mehr an, als man zu— 
nächst ahnen sollte. Karl Gustav, der Neuburger pfälzischer 
Herkunft, war seinem Wesen nach fast mehr deutscher als 
schwedischer Fürst; zahlreiche Deutsche dienten unter seinen 
Fahnen, und als germanisch im weiteren Sinne mußte sein 
Kampf gegen die Slawen jener weiten Landschaften erscheinen, 
deren Reich, leicht zu überrumpeln, fast noch etwas von dem 
Charakter der Despotien der polnischen Urzeit im 10. und 
11. Jahrhundert aufwies. Und diese Massen und Ziele ver— 
einigten sich nun mit dem rein deutschen Heere Brandenburgs 
und den deutschen Zielen des jetzt schon wichtigsten nordost— 
deutschen Territoriums. 
Eine Frucht dieser Kombination ist die Schlacht von 
Warschau gewesen, in der es in dreitägigem Ringen, vom 
28. Juli 1656 ab, gelang, die Polen zu Boden zu werfen,
	        
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