Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Entwicklung der individualistischen Gesellschaft. 151 
IV. 
Im Jahre 1378 kehrten die Päpste aus Avignon nach 
Rom zurück; im selben Jahre erhob sich in Florenz der Tumult 
der Ciompi. Im Jahre 1527 stürzten sich deutsche und spanische 
Landsknechte im Sacco di Roma über die Schätze des Altertums 
und der Renaissance in der ewigen Stadt; im Jahre 1530 
ward die Republik in Florenz gestürzt. Es sind die Ereignisse, 
welche die herrlichste Zeit der italienischen Renaissance und des 
italienischen Humanismus begrenzen. Aber vorbereitende Phasen 
gehen ihr über ein Jahrhundert lang voraus!. 
Auch die italienische Bewegung beruht nicht auf einer 
bloßen, wenn auch umschaffenden Aneignung altklassischer Bildung 
und Kunst. Auch ihre Grundlage ist, wie die der geistigen 
Bewegung in Deutschland, gegeben in dem Hinstreben der 
nationalen Kräfte auf eine individualistische Kultur überhaupt. 
Freilich trat dieses Streben in Italien um vieles früher 
ein, als in Deutschland. Italien ist niemals so tief in die Ge— 
bundenheit der Naturalwirtschaft versunken gewesen, wie Deutsch⸗ 
land oder auch nur Frankreich; stets überwogen die lösenden, die 
geldwirtschaftlichen Momente. Und sie wurden gewaltig gefördert 
seit den Kreuzzügen und mit der durch sie vermittelten Berüh— 
rung mit den Byzantinern und Arabern, Völkern einer hohen 
und alten Kultur. So verschwand fast jede genossenschaftliche 
Gliederung des Volks; so ging der feudale, mittelalterliche 
Staat zu Grunde. 
Es sind die Vorbedingungen für das Zeitalter Dantes, 
Petrarcas und Boccaccios. Sie lebten in der Periode beginnender 
Auflösung des Volks in Individuen, im Jahrhundert organisch 
erwachsender Nationalität. Vor allem Dante (12651821) ist 
von diesen Mächten getragen, so sehr er, ein Januskopf, auch 
noch mit dem Inhalt seines Denkens und mit seinen Idealen 
dem vollen Mittelalter angehört. Kaum jemandem anders 
Zum Folgenden vgl. teilweis Janitscheks vier Vorträge über die 
Gesellschaft der Renaissance in Italien und die Kunst, Stuttgart 1879.
	        
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