Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

154 J Vierzehntes Buch. Drittes Napitel. 
hervorging; und nur in der Komposition, vielleicht auch hier 
und da im Schönheitsideal machen sich die Gesetze der Antike 
bemerkbar. Auf litterarischem Gebiete entspricht dieser zwischen 
Nationalem und Antikem vermittelnden Haltung eine Richtung, 
die namentlich von den feinen Köpfen des florentinischen, etwas 
später auch des venezianischen Patriziats gepflegt ward, und 
als deren beste Vertreter man Coluccio Salutato, seit 1875 
Staatskanzler von Florenz, den Begründer des humanistischen 
Stils in der Actensprache, ferner Luigi Marsiglio und Antonio 
degli Alberti, zwei Florentiner, die in freien Zusammenkünften 
die humanistischen Studien förderten, weiter die drei Historiker 
Villani, vor allem aber Leon Battista Alberti ansehen kann. 
Sie alle waren von der Vereinbarkeit der humanistischen, 
nationalen und kirchlichen Bestrebungen überzeugt; doch vor 
allem der Gegenwart zugethan und national gesinnt, begünstigten 
sie die Dichtung im Volgare, strebten auch sonst nach dem 
Natürlichen und suchten es zu erreichen mit Hilfe eines die 
Antike ausnutzenden Eklektizismus. Aber da trat ihnen eine 
andere Strömung entgegen, vornehmlich gefördert durch Poggio 
( 1459) und Lorenzo Valla. Sie wollte völlig freie Bahn 
für die Antike; sie eröffnete namentlich gegen die Kirche, als die 
Antipodin antiken Denkens und Empfindens, den erbittertsten 
Kampf, und sie entrollte nicht undeutlich für die philosophische 
Anschauung wie für die sittliche Lebensführung das heidnische 
Programm Epikurs. 
So schien ein innerer Zwiespalt der humanistischen Be— 
wegung zu drohen, als, etwa um die Mitte des 15. Jahrhunderts, 
die beiden entgegengesetzten Denkweisen durch eine neue Richtung 
überholt wurden, die durch die inzwischen in Italien erschienenen 
Griechen begründet worden war. Im 14. Jahrhundert hatte 
man sich mit der lateinischen Litteratur begnügen müssen, von den 
Griechen kannte man in der Übersetzung nur unvollständig Aristo— 
teles und Plutarch; Petrareca hatte zwar einen griechischen Homer 
besessen und verehrt, doch ohne ihn lesen zu können. Nun trat 
um 1400 Manuel Chrysoloras in Florenz als Lehrer des 
Griechischen auf, und bald folgten ihm andre. Es war in den
	        
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