Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

158 Dierzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
seinem Aufenthalt in Italien, daß der italienische Einfluß den 
französischen geschlagen hatte. 
Aber diese ganze Einwirkung unter Karl IV., von welcher 
Seite her sie auch kam, verging überhaupt mit dem Regiment 
—D— 
Wurzeln geschlagen. Erst viel später, gegen die Mitte des 
15. Jahrhunderts, begann der italienische Einfluß entscheidend 
und dauernd zu wirken, und jetzt durch ganz andere Kanäle 
und nach andern Richtungen hin. 
Zunächst strömte jetzt auf langehin nur die litterarische Be— 
wegung, nicht auch die künstlerische, nach Deutschland über. Sie 
aber ward sporadisch zwar, doch geographisch allseitig und nach 
den verschiedensten Kreisen der neuen Gesellschaft hin vermittelt. 
Träger der Vermittlung waren die besseren Köpfe, die in 
Italien studiert hatten. Denn wiewohl Deutschland seit der 
zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts Universitäten besaß, galten 
doch als die eigentlichen Sitze der Gelehrsamkeit noch immer 
die romanischen Universitäten, für die Theologie Paris, für 
die Jurisprudenz vornehmlich Bologna. Damit wurden alle 
Laienkräfte, soweit fie nach feinster Bildung strebten, von 
Deutschland weiter nach Italien gewiesen; suchten sie aber dort 
den Abschluß ihrer Bildung, so war es natürlich, daß sie den 
geistigen Strömungen überhaupt Anteil abgewannen und diesen 
Anteil nach Deutschland später zu übertragen suchten: fast alle 
älteren deutschen Humanisten sind in Italien gebildet. 
Viel später und in ganz anderer Weise wurden die künst— 
lerischen Anschauungen der italienischen Renaissanee jenseits 
der Alpen bekannt. Ihre Verbreitung erfolgte schon in Italien 
von Florenz her sehr langsam; erst nach manchem Jahrzehnt 
ward der neue Stil den wichtigsten Städten Oberitaliens ver— 
mittelt. Nun aber nahmen die deutschen Künstler, die Maler 
und Architekten vornweg, die neuen Stilelemente Italiens 
überhaupt nur in den nächst großen oberitalienischen Handels— 
städten auf, wohin ihre Wanderung sie führte oder von 
wo aus rege kaufmännische Verbindungen der oberdeutschen 
Städte sie mit der fremden Art bekannt machten. Die ober—
	        
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