176 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Monogrammist aus der Mitte des Jahrhunderts, der Meister
E. S. vom Jahre 1466, war ebenfalls aller Wahrscheinlichkeit
nach ein Oberdeutscher, und oberdeutschen Ursprungs ist gewiß
auch der Meister des Hausbuches gewesen.
Was war nun die Wirkung dieser neu entwickelten poly—
graphischen Künste auf die Malerei? Sie verlief zunächst ganz
in den Bahnen der alten Illustrationstechnik; sie ging aufs
Derbe, Lineare, sie forderte zu dramatischer Scenenbildung auf.
Aber dazu kam bald ein Weiteres. Der Darstellungskreis der
Malerei erhielt eine leise Richtung auf das Sittenbild und die
Landschaft, die alte Wurzel germanischer Phantastik wurde neu
belebt, und Humor, Satire, überhaupt Laune drangen aus
den kleinen papiernen Bildchen in die Werke der Staffeleien.
Und wie mußten diese Wirkungen sich vervielfachen von dem
Augenblicke an, da hervorragende Maler zugleich dem Holzschnitt
oder dem Kupferstich huldigten! Wie mußte eine Technik die
andere befruchten, wie zugleich der Einfluß der Kunst auf die
Nation wachsen, der jetzt Schöpfungen der ersten Meister in
ihren weitesten Kreisen zugänglich wurden! Eben auf diesem
Wege hat die oberdeutsche Kunst ihre eigenartige Ausbildung
gefunden, und auf diese Art ist sie zu einem Lebenselemente
des 15. und 16. Jahrhunderts geworden, dem man auf Schritt
und Tritt begegnet.
Die erste folgenreiche Entwicklung in diesem Sinne knüpfte
sich an den Oberrhein, zunächst an Kolmar. Hier entstand,
nachdem vereinzelte Anfänge des Naturalismus an verschiedenen
Stellen Schwabens und Alemanniens schon vorher zu Tage
getreten waren, mit Kaspar Isenmann (f 1466) eine künst⸗
lerische Überlieferung, in der sich Spuren niederländischen Ein⸗
flusses in Außerlichkeiten und Technik mit einbeimischem Rea—
lismus mischten.
Aus dieser Überlieferung ist dann Martin Schongauer,
der erste große oberdeutsche Meister hervorgegangen. Um die
Mitte des 15. Jahrhunderts geboren, war er Isenmanns Schüler;
gestorben ist er im Jahre 1491 zu Breisach. Schongauer war
Qupferstecher und Maler zugleich, ja in gewissem Sinne mehr