Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

216 Vierzehntes Buch. Viertes Rapitel. 
namentlich die Verbindung der Ätzkunst mit der Kunst des 
Grabstichels, gestatteten hier bald die malerischsten, silber— 
schimmernden Wirkungen in Ton und Tiefe. Es ist die Zeit, 
da die Meisterwerke Dürers auf diesem Gebiete entstanden 
sind: der christliche Ritter, das religiös-germanische Gegenstück 
zu dem heidnisch-kraftstrotzenden Reiterstandbild des Colleoni, 
der die tiefste Ruhe der Einsamkeit atmende h. Hieronymus 
in der Zelle, die traumhaft bewegte Melancholie (1513 und 1514). 
Indes diese Arbeiten, so hoch sie stehen, konnten nicht 
den Abschluß der künstlerischen Ideen des Meisters bilden; 
nur in der Tafelmalerei, dem vornehmsten aller malerischen 
Ausdrucksmittel, vermochte er gefunden zu werden. Dürer war 
dessen völlig inne geworden, als eine längere Reise nach den 
Niederlanden und der Umgang mit den großen niederrheinischen 
und niederländischen Meistern der Vergangenheit und Gegen— 
wart in den Jahren 1620 -1521 ihn mit neuen Eindrücken und 
frischem Lebensmut erfüllt hatten. Von nun ab erstrebte er 
die Idealisierung der Empfindungs- und Strebungswelt der 
Charaktere im vollen Glanze der Farbe. Es war ein Ziel, 
das vielleicht schon im Bildnis bedeutender Menschen erreichbar 
schien; das Porträt des Nürnberger Patriziers Holzschuher, 
jetzt im Berliner Museum, giebt unter manchen anderen gleich— 
zeitigen Bildnissen dafür den besten Beweis. Allein es blieb 
hier doch immer noch etwas Zufälliges, gleichsam Irrationelles, 
Irdisches; vollkommen konnte die ganze Typisierung des Charakters 
nur in Idealgestalten gelingen. Und so griff Dürers frommes 
Gemüt nochmals ein Problem auf, das ihn zeichnerisch schon 
seit langem bewegt hatte, die Darstellung der Apostel und 
Evangelisten. Hier, in einer Reihe geschichtlicher und doch 
halb transscendenter Persönlichkeiten, nicht mehr im schönen 
Körper allein, fand er den höchsten Vorwurf seiner Kunst. 
Im Herbst des Jahres 1526 schenkte er seiner Vaterstadt 
zum Gedächtnis an ihn die jetzt in München befindlichen sog. 
vier Apostel, Johannes und Petrus, Paulus und Marcus auf 
je einer Tafel. Sie verkörpern das höchste künstlerische Ideal 
des Meisters. Hier ist in der That das Irdische nur noch
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.