22 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
Bestand der vorderösterreichischen und der Donaubesitzungen
hergestellt, den durch die Eroberung der Schweiz zu erringen
den Habsburgern weder im 14. noch im 15. Jahrhundert
gelungen war.
Zudem blieb der Bund nicht auf Schwaben beschränkt.
Er erstreckte sich bald auch nach Oberfranken und nach dem
Rheine zu; am 29. September 1489 trat ihm sogar der Kurfürst
von Trier bei: seine ursprünglichen Ziele erweiterten sich dadurch
aufs wesentlichste; es schien schon jetzt und nicht erst in den
späteren Zeiten Karls V., als könne aus ihm eine Wiedergeburt
des Reiches hervorgehen; jedenfalls war in ihm ein großes
Werkzeug künftigen königlich-habsburgischen Einflusses mitten
im Reiche gewonnen. Und das zur selben Zeit, da sich auch
die alte Hausmacht der Habsburger weit über Tirol hinaus im
Südosten wieder befestigt hatte, da die Gefahr einer Überholung
des deutschen Einflusses durch Ungarn, Böhmen oder Volen
im Schwinden begriffen war.
König Mathias von Ungarn war seit dem J. Juni 1485
im Besitze Wiens und Österreichs. Das Reich bot demgegenüber
kriegerische Hilfe auf; schon bei dieser Gelegenheit bewährte
sich die strategische Kunst Albrechts von Sachsen; aber erreicht
ward nichts als der Vertrag von Markersdorf vom 22. November
1487, nach welchem Mathias die Eroberungen bis zur Bezahlung
der Kriegskosten beibehielt. Das hieß die Entscheidung auf
lange vertagen; im Vollbesitz der österreichischen Lande mit
Ausnahme der Herrschaft Sigmunds von Tirol ist Mathios am
ß. April 1490 gestorben.
Mit seinem Tode eröffneten sich nun dem Hause Habsburg
Aussichten nicht bloß auf die Erwerbung Osterreichs, sondern auch
Ungarns; denn nach dem Vertrage des Jahres 1468, der Ungarn
den Habsburgern zuwies, falls Mathias unbeerbt stürbe, waren
Kaiser Friedrich und König Max erbberechtigt, da Mathias im
rechten Bett erzeugte Söhne nicht hinterlassen hatte. In der
That beanspruchte jetzt König Max, während er Ästerreich
einnahm, zugleich auch Ungarn.
Aber neben ihm traten noch andere Bewerber auf, so der