350 Fünfzehntes Buch. Zweites Kapitel.
nicht kalt werden von Blut; schmiedet pinkepank auf dem
Ambos Nimrod, werft ihm den Thurm zu Boden! Gott geht
für euch, folget!“ Dabei zog er seinen Heerscharen selbst
voran, ein grotesker Heiliger, mit dem Schwert Gideonis; das
Wort, das aus seinem Munde ging, sollte die Flamme sein,
welche die Fürsten in lebendigem Feuer verzehre.
Es war der theokratische, vom Schwärmertum gezeitigte
Paroxysmus des Aufstands; er war unfähig jedes Widerstandes
gegen geordnete Kriegsgewalt. Bei Frankenhausen, in der
Nähe Sondershausens, sammelte sich die fanatisierte, im übrigen
bunt zusammengewürfelte und hilflose Masse der Verführten;
am 15. Mai ward sie von hessischen, sächsischen und braun—
schweigischen Heeresmassen mühelos zersprengt; über 5500
Bauern wurden auf der Flucht getötet; Münzer ward gefangen
und bald darauf gerichtet.
Das Ende des thüringer Bauernkriegs und des mittel—
deutschen Schwärmertumes zugleich war herbeigekommen.
Nun aber, da die Bauern allenthalben darniederlagen vor
der Macht der fürstlichen Heere, was sollte geschehen?
Durch die Art, wie fast überall die Empörung unter—
drückt worden war, grausam, in rohem Übermut, in Freveln,
welche die Ausschreitungen der Bauern weit übertrafen, waren
sittliche Haltung und materielles Dasein der Bauern auf
lange geschädigt. Barbarisch wirkten noch auf Jahre hin
die Strafen, die man über Schuldige und Unschuldige ver—
hängt hatte, und schwer lastete auf den unglücklichen Dörfern
die ratenweise Zahlung von Entschädigungen und Kontribu—
tionen.
Im übrigen freilich, soweit es sich um den Organismus
des bäuerlichen Daseins handelte, trat nur in einzelnen Gegen—
den eine wesentliche Verschlechterung ein, so namentlich in
den habsburgischen Gebieten mit Ausnahme von Tirol. In
Schwaben dagegen und auch in Franken, also in den Mittel—
gebieten des ganzen Aufstands, lag eben in der nunmehr
gewährleisteten Erbärmlichkeit der politischen Einrichtungen
—VDD