Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

50 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel. 
nach Ungarn nimmt der Verkehr zu; vornehmlich die Rhein— 
länder sind, wie vor alters, daran beteiligt. 
Vor allem aber tritt Deutschland jetzt zum erstenmal in die 
Beziehungen eines wahrhaften Welthandels. Der Rhein hatte 
zwar stets auf England gewiesen, einzelne Waren waren immer 
aus Byzanz und Italien gekommen, und von Flandern her 
bezog man orientalische Artikel seit der Eröffnung regelmäßiger 
Schiffahrt vom mittelländischen Meer über Gibraltar nach 
Brügge. Allein was besagten diese dünne Verkehrsadern gegen⸗ 
über dem Handelsstrom, der sich im Laufe des 14. Jahrhunderts 
erhob! Nun griff die Hanse im Norden ganz anders kräftig 
ein, vor allem Westen und Osten verbindend, und in Süd— 
deutschland entwickelte sich ein ungemein reger Verkehr mit den 
italienischen Städten, die inzwischen den orientalischen Handel 
an sich gezogen hatten. In Venedig erblühte der Fondaco dei 
Tedeschi, das Kaufhaus der Deutschen, auch in Mailand wurde 
später der Plan eines Fondaco gefaßt. Spätestens mit Beginn 
des 15. Jahrhunderts aber gab es in den Alpen schon Porten, 
geschlossene Transportgesellschaften für den Warenverkehr über 
die deutsch-italienischen Pässe; sie haben noch vor dem Ein— 
dringen des römischen Rechts ein eigenes Transportrecht ent— 
wickelt. So vermochte sich in Süddeutschland Groß und Klein 
am italienischen Handel zu beteiligen und die Schätze des 
Orients weiter den Rhein hinab und nach Nürnberg zu ver— 
frachten; die Städte am Nordrand der Alpen, von Basel bis 
Wien, blühten empor; Deutschland wurde zum erstenmal zur 
Durchgangsstelle, zum Mittelpunkt eines wahrhaft internatio— 
nalen Handels. 
In der ersten Hälfte und um die Mitte des 15. Jahr— 
hunderts entfaltete der deutsch-italienisch-orientalische Handel 
seine glänzendste Blüte. Den größten Vorteil von ihm trug 
Italien davon. Verkehrdurchzogen erhob es sich zur idealen 
Höhe einer von uns noch heute bewunderten Kultur Kaufleute 
waren seine ersten Mäcene und begründeten selbst den Glanz 
fürstlicher Herrschaft.
	        
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