Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

570 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel. 
Flammenreden der Prädikanten! War es verwunderlich, wenn 
diese Erregung endlich in wüstem Aufruhr hervorbrach? 
Am 14. August begann in Westflandern der Bildersturm. 
Unheimlich rasch, verzehrender Flamme, epidemischer Krankheit 
gleich, wälzte er sich fort durch die reichen Städte Ostflanderns, 
durch Brabant, durch Utrecht, Holland und Seeland, bis er im 
September im fernen Friesland erlosch. Überall dieselben Bilder 
des Jammers, erbrochene Kirchenthüren, gestürzte Altäre, ver— 
streute Hostien, zertrümmerte Kelche, zerrissene Handschriften, 
zerschnittene Gemälde — und zwischen alledem ein wüster Pöbel 
im traurigen Mummenschanz liturgischer Gewänder, trunken 
von Stiftswein und Klosterbier; ein ekles Vorbild der Szenen 
eines Steen oder Ostade. Und vielfach hinter ihm Prediger 
des neuen Glaubens, nun aus den Regenschauern und Sturm— 
nöten freier Versammlungen einziehend in die verwaisten Kirchen, 
und mit ihnen triumphierende, jeder Gewaltthat fähige Ge— 
meinden. 
In der That, noch lange nicht glaubte man sich, nament— 
lich in Flandern, am Ende der Erfolge. Die Kirchen thaten 
sich zusammen, ein Heer aufzustellen; eine Synode in Gent be— 
schloß, von König Philipp die Freiheit des Glaubens um 83 Mill. 
Gulden zu erhandeln, und verfügte, seiner Zusage noch un— 
gewiß, einstweilen wenigstens die Sammlung einer halben Million 
zur Löhnung von Söldnern. Auf der Spitze des Schwertes 
ruhte das Heiligste, das man erstrebte; am 1. Dezember 1566 
stellten die Bevollmächtigten der reformierten Konsistorien zu 
Antwerpen fest, Aufruhr wegen Bruchs der Landesgesetze sei 
erlaubt, und ein von den großen Kaufleuten besoldetes Heer 
trat unter Brederodes Führung unter die Waffen. 
So schien der Protestantismus in der That gesiegt zu 
haben, um so mehr, da Margareta unter den Eindrücken des 
Bildersturms am 25. August meitaebende religiöse Zugeständ— 
nisse gemacht hatte. 
Allein das Unmaß richtete auch diesmal sich selbst. Wie 
sollten die Landedeln, wie die kaufmännisch-aristokratischen Kreise 
des städtischen Protestantismus auf die Dauer mit den trunkenen
	        
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