Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 677 
1592 mit der steirischen Erzherzogin Maria vermählt zu sehen. 
Daraus ergab sich denn eine enge Annäherung Polens an 
Hsterreich: eine Constellation katholischer Mächte dämmerte auf, 
die von Spanien über Italien und Hsterreich bis Polen Europa 
ebenso sehr zu Lande durchmaß, wie sie von den polnischen 
Ostseehäfen bis zu den Küsten Spaniens hin der Begünstigung 
einer universalen katholischen Seemacht fähig erscheinen konnte. 
Freilich, die rasche Ausbeutung dieser Möglichkeiten seitens 
des deutschen Hauses Habsburg wurde durch einen neuen Türken⸗ 
krieg verhindert. Sultan Murad hatte im Jahre 1592 seinen 
langjährigen Krieg mit den Persern glänzend beendet, und 
übermütig suchte er schon im folgenden Jahre neue Lorbeeren 
an der Donau. 
Es war für Kaiser Rudolf II. ein schwerer Schlag, obwohl 
er dem neuen Kriege zuversichtlich entgegensah. Gleich seinen 
Vorfahren hatte er den deutschen Reichstag bisher — im 
Jahre 1582 — nur berufen zur Bewilligung von Türkensteuern: 
nur in diesem äußersten Notfall hatte er es zugleich über sich 
vermocht, sich mit der Eröffnung des Reichstages auch tiefer in 
das Gewirr der katholischen Ansprüche und der protestantischen 
Beschwerden einzulassen. Nun, nach zwölfjähriger Pause, nahte 
dies Unglück von neuem; man konnte in Wien nicht umhin, die 
Reichsstände zum Jahre 1594 nach Regensburg zu berufen. 
Natürlich wünschte der Kaiser hier nichts, als eine möglichst 
hohe Türkensteuer bewilligt zu sehen. Aber die protestantische 
Aklionspartei dachte anders. In unerhörter Schroffheit formu⸗ 
lierten die Pfälzer mit ihren Anhängern zu Heilbronn die alten 
protestantischen Beschwerden; ganz im Gegensatz zu Kursachsen, 
das, wie bei jeder Türkengefahr, zum Kaiser hielt, wollten die 
pfälzischen Räte am Reichstag Biegen oder Brechen versuchen: 
keine Türkensteuer ohne vorher genehmigte Abstellung ihrer Be⸗ 
schwerden — das war das Programm. Allein trotz allen Drohungen 
bewilligten die Katholiken und die Protestanten der sächsischen 
Partei dem Kaiser Beiträge in der nie erreichten Höhe von 
80 Römermonaten; über die pfälzischen Anträge dagegen gingen 
sie hinweg. Es war ein Verfahren, das bei den Unterlegenen
	        
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