Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

Kirchliches und politisches Reifen des Protestantismus. J 389 
die Oberlehnsansprüche über Flandern und Artois, während 
Karl unter gewissen Vorbehalten Burgund aufgab. 
Es war ein Abschluß, der viele Errungenschaften des 
Madrider Friedens von neuem gewährleistete und somit Karl 
günstig war; vor allem hielt er Italien der diplomatischen und 
militärischen Einwirkung des Kaisers offen. So konnte Karl 
glauben, wieder im Beginn der Verwirklichung seiner universalen 
Pläne zu stehen; er verließ Spanien, landete am 12. August 
1529 in Italien, ordnete widerstandslos die Verhältnisse des 
Landes und ward von dem machtlosen Papste auf Neujahr 
1530 in Bologna zum Kaiser gekrönt. 
III. 
Wie hatten sich inzwischen die Dinge in Deutschland ent— 
wickelt? 
Der Abschied des Speierer Reichstages vom Jahre 1526 
hatte der weiteren Verbreitung und Fortbildung der evangelischen 
Lehre noch Raum gelassen, obgleich kein Zweifel darüber bestand, 
daß dem die katholischen Sympathien der Mehrheit des Reichs— 
tages eigentlich widersprachen. Wie hätte man also Ruhe von 
diesem Beschluß erwarten können? Die Gegensätze zwischen Alt— 
und Neugläubigen erweiterten sich von Tag zu Tag. 
Es lag dabei in der Natur der Sache, daß die Alt— 
gläubigen, als die Angegriffenen, mit größerer Strenge gegen 
die Neuerer verfuhren, als umgekehrt. Jetzt begannen in den 
katholischen Ländern, namentlich am Rhein und in Bayern, die 
Scheiterhaufen auch für die gemäßigt Evangelischen zu rauchen; 
die Zeit der Blutzeugen war gekommen, und Luther sang sein 
Schlachtlied unerschütterlichen Vertrauens in Kampf und Not: 
Ein feste Burg ist unser Gott. Und mit den gegnerischen 
Maßregeln gegen die Konfessionen verschärfte sich auch der Gegen— 
satz der evangelischen und katholischen Stände des Reichs. 
Zwar gab es noch auf lange verbindende Interessen — so 
namentlich der gemeinsame Widerstreit gegen die vorauszu⸗ 
sehenden Versuche, die kaiserliche Gewalt zu steigern —, auch
	        
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