Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

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Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
So befestigt sich der Eindruck, daß ziemlich alle Territorien 
und Städte des Reiches sich der neuen Kirche mehr und mehr 
öffneten, und die Zeit schien nahe, wo die kirchliche Stellung⸗ 
nahme gegen den Kaiser mit der ständischen Opposition zu⸗ 
sammenfallen würde, wo ständischer Föderalismus und freies 
Kirchentum zugleich in Einem großen Ansturm der Central— 
zewalt die Grundlagen eines vollen Lebens abtrotzen würden. 
Und schon waren zu diesem Zwecke auch weithin inter— 
nationale Verbindungen angeknüpft. Früh machte sich die Nei⸗— 
gung zu solchen Verbindungen bei den Evangelischen, nament— 
lich bei dem fernsichtigen Landgrafen von Hessen geltend; sie 
war eine natürliche Folge der internationalen Stellung des 
Kaisers. Bot Karl zur Leitung der deutschen Angelegenheiten 
in seinem Sinne die finanziellen, politischen und militärischen 
Mittel aller seiner Reiche auf, so war es nur folgerichtig, 
wenn seine Gegner nicht minder Hebelpunkte außerhalb der 
Reichsgrenzen suchten. Die Handlungsweise beider Seiten ist 
gleichmäßig nur aus dem vollen Verfall der alten Autonomie 
des Reiches, ja des Reichsgedankens überhaupt erklärlich. 
Wir haben gesehen, wie die Teilnahme Frankreichs schon 
bei der würtembergischen Umwälzung des Jahres 1534 eine 
große Rolle spielte; auch Heinrich von England und der Gegen⸗ 
könig von Ungarn Zapolya waren damals schon in enger 
Verbindung mit den Schmalkaldnern. Und diese Verbindung, 
verstärkt durch Beziehungen zu den nordischen Königen, hat 
seitdem mit geringen Unterbrechungen fortbestanden; auf dem 
Tage des Jahres 1535, der die zehnjährige Erneuerung des 
Schmalkaldner Bündnisses brachte, befanden fich auch Gesandte 
von England und Frankreich. 
Führten diese Beziehungen großenteils mehr zu Interessen⸗ 
zemeinschaften, denen an sich schon eine bedeutende politische 
Wirkung gesichert war, als daß sie unmittelbare Eingriffe, eine 
Teilnahme etwa der deutschen Protestanten an dem letzten 
Kriege des Königs Franz gegen Karl V. veranlaßt hätten, so 
mußten doch die Fortschritte des Protestantismus über Deutsch- 
land hinaus durch sie außerordentlich gestärkt werden. In der
	        
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