Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Wandlung des Seelenlebens vom 16 zum 18. Jahrhundert. 11 
lassen konnte. So hat der Hanauer Rumpf das herrliche 
Amboinse Kruidboek“ geschrieben, das Burman seit 1741 in 
Amsterdam herausgegeben hat, vor allem aber die „Amboinsche 
Rarität⸗Kamer“ (1705), eine Beschreibung der Wunderwelt 
amboinischer Muscheln. 
Und längst vorher schon hatten die neuen Entdeckungen An⸗ 
laß geboten, auch die kosmische Stellung der Erde ins Auge zu 
fassen; denn als Magalhües seine erste Reise um die Erde (1519) 
vollendet hatte, da hatte die Erfindung des Buchdrucks die Mär 
in alle Welt getragen, daß die Erde nun ohne allen Zweifel 
als Kugel erwiesen sei. Über diese Kenntnis hinaus in die 
Weiten eines Standpunktes, der nicht mehr an das Zentrum 
des Vaterlands, der mittelländischen Kulturwelt und Europas, 
ja nicht mehr an das terrestrische Zentrum überhaupt geknüpft 
var, aus der horizontalen Erdumschau hinein in den vertikalen 
dorizont des Himmels konnte dann freilich nur noch die 
Schnellkraft der kühnsten Hypothese tragen. 
Das ptolemäische Weltsystem war auf die Überzeugung 
von der unmittelbaren Realität der wahrgenommenen kosmischen 
Bewegungen gegründet: die Erde stand demnach im Zentrum 
aller Betrachtung, und alle Erscheinungen, die für eine helio⸗ 
zentrische Hypothese zu sprechen schienen, waren durch eine 
große Anzahl anscheinend befriedigender Hilfsannahmen von 
Jahrhundert zu Jahrhundert immer genügender gedeutet worden. 
Der Konflikt der Wirklichkeit mit der unmittelbaren Erfahrung 
ind UÜberlieferung, dies tiefste Thema der Geschichte des 
Denkens und der Wissenschaften, schien also auf diesem Gebiete 
aicht zu bestehen. Da erschien im Jahre 1548, vorsichtig dem 
Papst Paul III. gewidmet, das Buch des Koppernikus: „De 
osutionipus orbium eaelestium“. Ausgehend von einer 
Anschauung, die sich in individualistischen Zeitaltern fast im 
Sinne eines Axioms zu wiederholen pflegt, daß nämlich jede 
Untersuchung der Natur nur dann gelingen könne, wenn ihr 
die einfachsten noch eben denkbaren Annahmen zugrunde gelegt 
werden, stellte Koppernikus hier mit uüberzeugender Energie die 
selidzeutrische Hypothese auf. Und gewaltige Kämpfe zwischen
	        
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