Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

346 Achtzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
kaum kontrollieren läßt. Wie nun alle diese wichtigen Momente 
richtig in Anschlag bringen bei einer allgemeinen Statistik der 
Bevölkerung? Im Grunde bleibt man, trotz manches günstigen 
Materials im einzelnen, für das Ganze dennoch auf Schätzungen 
angewiesen; und da pflegt man denn von einem Verluste von 
1218 Millionen Seelen zu sprechen. Nun mag das über⸗ 
trieben sein. Aber anderseits steht doch fest, daß z. B. die Be— 
völkerung der Mark, die freilich schon seit der zweiten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts in Rückgang begriffen war, den Stand 
bor 1618 trotz der Kolonisationen des Großen Kurfürsten und 
Friedrich Wilhelms J. doch erst um die Mitte des 18. Jahr⸗ 
hunderts wieder erreicht hat: was eine außerordentliche Re⸗ 
uftion der Bevölkerung — und, was mehr heißt, eine überaus 
geringe Erholungsfähigkeit der leben Gebliebenen — voraus⸗ 
fetzt. Die Erscheinung aber, daß die überlebende Bevölkerung 
so schwer wieder die Verluste des Kriegs zu ersetzen imstande 
war, ist allgemein und dürfte volkswirtschaftlich und sozial von 
nicht geringerer Bedeutung gewesen sein als der Verlust selber. 
Nicht geringer aber, verhältnismäßig vielmehr vielleicht 
noch größer als der nationale Verlust an Volksgenossen war 
der an Reichtum, an nationalen Gütern. Ein Überblick ist 
freilich auch hier überaus schwer zu gewinnen; am leichtesten 
und sichersten erhält man ihn vielleicht noch durch Heranziehung 
der Geschichte der Preise. Da ergibt sich nun für Deutsch— 
land bis zum Beginne des 17. Jahrhunderts ein ständiges 
Steigen der Preise. Dagegen tritt für die Zeit von 1600 bis 
etwa 1680 ein rapides Fallen ein, das nur durch Kriegs⸗ 
teuerungen bis etwa zum dJahre 1640 hin gegengewogen wird. 
Von etwa 1680 ab steigen dann die Preise wieder, bis sie um 
1700 im ganzen die alte Höhe der Jahre 1580 bis 1600 
wieder erreichen, in der sie bis etwa 1780 stabil bleiben. Man 
fieht also: in der Preisgeschichte heben sich zwei feste wirt⸗ 
schaftliche Zeiten ab, das 16. und das 18. Jahrhundert; zwischen 
ihnen aber liegt eine Zeit tiefen Sturzes. Dieser Sturz ist 
nun allerdings teilweis und besonders in seinen Anfängen durch 
die Wandlungen des Welthandels — Verlegung der großen
	        
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