Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 5738
1706 zum ersten Male zu vorübergehender Herrschaft eingezogen
war; auch hielt er in der Schlacht von Villaviciosa, am
10. Dezember 1710, seinen Feldherrnruhm gegen eine Über⸗
macht von Spaniern und Franzosen unter dem Herzog von
Vendöme aufrecht. Allein dauernd die Herrschaft seines Fürsten
in Spanien zu begründen gelang ihm nicht; und nach dem
Tode Kaiser Josephs J. mußte Karl das Land, das er liebte,
berlassen, um näheren Pflichten seines Hauses in Deutschland
nachzukommen. Inzwischen aber waren allgemeine Friedens—
oerhandlungen eingeleitet worden, die wir später genauer kennen
lernen werden; sie entschieden gegen eine Habsburgische Herrschaft
in Spanien; und im Sommer 17183 kehrten die letzten kaiser—
lichen Truppen unter Starhemberg in die Heimat zurück.
Wie die spanischen so griffen auch die ungarischen Vor—
gänge wenig in den allgemeinen Verlauf des Krieges ein.
Frankreich hat allerdings aufs entschiedenste und lange mit
Erfolg die Leidenschaften der Magyaren, und schließlich nicht
bloß der Bauern, sondern auch des Adels gegen das Haus
Habsburg entfesselt, wie es früher die Türken zur Bändigung
des zentralen Europas in Anspruch genommen hatte. Aber
am Ende war das Ergebnis gering. Schon seitdem Franz
Rakoczy vom Konföderationstage von Onod ab (Juni 1707)
die Friedenspartei nur durch äußersten Terrorismus zum
Schweigen gebracht hatte, war die Befriedung des Landes
aur noch eine Frage der Zeit. Sie wurde eingeleitet durch
den strengen kaiserlichen General Siegbert von Heister, und sie
kam am 1. Mai 1711 in dem Frieden von Szatmar zustande.
Franz Rakoczy teilte das Schicksal so manches magyarischen
Revolutionärs vor ihm; er ist im Jahr 1738 auf kürkischem
Boden als Pensionär des Sultans gestorben.
Für den eigentlichen Verlauf des großen Krieges aber
wurde in den nächsten Feldzugsjahren nach Höchstädt an erster
Stelle der italienische Kriegsschauplatz von Bedeutung. Und
hier war noch im Jahre 1708, zu der Zeit, da die französische
Herrschaft in Italien ganz befestigt schien, ein Ereignis ein—
getreten, das bei den Folgen, die es schließlich nach sich zog,
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VII. 2. 37