fullscreen : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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einen  «extensiven,  aber  maschinell  gut  entwickelten  Ackerbau»')  bildet,
zu  überzeugen.
«Bevor  wir  zu  der  Maschinerieanwendung  griffen,  bestand  das
Kontingent  der  Arbeiter  auschliesslich  aus  Männern,  sog.  Vollarbeitern»,
sagt  St.  Jaroschko.  «Jetzt  aber  sind  von  30  Fristarbeitern,  die  wir  immer
für  die  Zeit  vom  9.  Mai  bis  1.  Oktober  dingen,  nur  4  Vollarbeiter,
während  die  übrigen,  d.  h.  etwa  70%,  nur  Halbarbeiter,  Frauen  und
Burschen  sind.  Mit  dieser  Zahl  der  Arbeiter  werden  alle  Sommerarbeiten, ­
  ausser  der  Heuabmähung,  verrichtet.»
Diese  Arbeiten  sind:
1.  Erste  und  zweite  Stürzen  des  Brachfeldes  für  Winterweizen
(etwa  100  Dess.).
2.  Aufsetzen  des  Heues  in  Haufen  von  etwa  300  Dess.  des  Neuschlages. ­

3.  Einbringen  des  gesamten  Getreides  von  etwa  500  Dess.
4.  Ausdreschen  von  Getreide  und  Aussaat  von  Winterkorn,  eine
Arbeit,  von  welcher  bis  zum  Oktober  etwa  >j 2 ,  manchmal  auch
%  verrichtet  wird.
Klagen  der  Arbeiter,  selbst  darüber,  dass  sie  von  den  Maschinen
und  den  Frauen  verdrängt  werden,  kommen  sehr  oft  vor.
«Bevor  Mähmaschinen  verwendet  wurden,  waren  wir,  die  Mäher,
die  ersten  und  die  teuersten  Arbeiter,  jetzt  können  wir  uns  auch  für  die
Hälfte  des  früheren  Lohnes  nicht  verdingen!  Wer  nur  diese  Mähmaschinen ­
  erfunden  hat!  Wenn  man  sie  nur  alle  zerschlagen  könnte  —
sie  sind  schuld  daran,  dass  die  Leute  an  Hunger  sterben!»  So  beklagten
sich  die  Arbeiter  auf  einer  Naturalpflegungsstation.  Oft  geht  die  Sache
nicht  allein  mit  Klagen  ab,  es  kommt  auch  zu  wirklichen  Vernichtungen
der  Maschinen,  des  Getreides  und  zu  Schlägereien  unter  den  Arbeitern.
Die  Arbeitsmärkte,  die  Dörfer  und  die  Wege  in  den  neurussischen
Gouvernements  bilden  zur  Zeit  der  Ernte  ein  jämmerliches  Bild.  Es
sind  die  Scharen  der  Arbeiter,  die  von  einem  Ort  zum  anderen  wandern,
keine  Arbeit  finden  und  verzweifelt  nicht  nur  ohne  neuen  Verdienst,  sondern
überhaupt  ohne  Geld,  krank,  hungernd,  der  letzten  Mittel  entblösst,
zurückkehren,  wo  sie  von  den  vollständig  verarmten  Familienmitgliedern
mit  Sehnsucht  erwartet  werden.  So  wurden  z.  B.  von  den  138  Arbeitern,
die  ihre  Arbeitskraft  in  Birsula  (Gouv.  Cherson)  anboten,  nur  4  Arbeiter
gedungen.  «Jeden  Markttag  trifft  man  die  bekannten  Arbeiter.  Es  sind
einige,  die  zum  fünften  oder  sechsten  Male  kommen,  die  überall  schon

’)  Vgl.  Ed.  David  a.  a.  D.  S.  269—273,
            
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