Full text : Neuere Zeit (Abt. 2)

Die Entwicklung der souveränen Territorien bis ins 18. Jahrh. 425

Es sind die schönen Zeiten des „frommen“, des „ehr—
lichen“ Landsknechts. Und noch spät heißt es von ihm!:

Wer sich zum Kriegsmann werben läßt,
Soll fromm sein, redlich und faustfest:
Er soll nichts fürchten als nur Gott
Und nach ihm seines Herrn Gebot;
Er soll sich uben Tag und Nacht,
Bis daß er werd' zum Mann gemacht
Und lerne aus Erfahrung wohl,
Wie man dem Feind begegnen foll.
Und wie spiegelt ein anderer Vers derselben Ermahnung noch
den alten fröhlichen Fatalismus des deutschen Kriegers wider:
Du mußt Gott und dem Vaterland
Zu Schutz und Ehren tun Beistand
ünd dich oft ducken, hucken, schmiegen,
Oft wenig schlafen, übel liegen,
Oft hungern, dürsten, schwitzen, frieren,
Bald was gewinnen, bald verlieren,
Und allenthalben des Unfalls dein
Und deines Glücks gewärtig sein.

Aber auch der Verfall des gemeinen Knechts tritt uns aus
diesen Versen der dreißigjährigen Kriegszeit schon in Forderungen
voll herber Vorwürfe entgegen:
Sobald er nun zu einem Pfand
Hat Geld empfangen auf die Hand,
So soll er lassen alle Sachen
Und sich in Eil zum Haufen machen.
Er soll nicht ziehen auf die garde
Nach der diebischen Laufer Art,
Noch von einem Dorf zum andern laufen,
Hühner stehlen und Brot verkaufen.

Wie war es nun zu diesem Ruin gekommen? Die ganze
Einrichtung des Fähnleins war ursprünglich auf eine gleich—
artige Herkunft der Genossen berechnet: Bauer und allenfalls
Handwerksgesell sollten in ihm zusammenstehen, darüber als

B. Ringwald, Die lautere Wahrheit, wie sich ein weltlicher und
geistlicher Kriegsmann in seinem Beruf verhalten soll; abgedruckt u. a.
uch in Philanders von Sittewald „Wunderliche und wahrhaftige Gesichte“.
            
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