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Neunzehntes Buch. Drittes Kapitel.
zum Vorstellen gelangen. Und da proklamierte er nun die
subjektivistische Auffassung aller Wahrnehmungstätigkeit: wir
kennen nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen
von ihnen. Es ist der Fundamentalsatz der nun beginnenden
erkenntnistheoretischen Forschung; oft genug schon vor Hobbes
geahnt und auch ausgesprochen, ist er doch erst seit ihm Grund—
lage unablässig fortschreitender Untersuchung über die Natur
unserer intellektuellen Funktionen geworden.
Was war aber mit alledem erreicht? Untersuchungen
über den erkenntnistheoretischen Charakter der Induktion hatten
zu den Fragen der Erkennistheorie überhaupt geführt: alsbald
war das schwierige Problem des Zusammenhangs zwischen
induktiven und deduktiven, empirischen und apriorischen Ele⸗
menten auf diesem Gebiete aufgetreten; und schon war begriffen,
daß seine Lösung nicht in irgendwelchen mystischen, meta—
physischen Annahmen etwa nach der Weise des Kardinals
oon Kues gefunden werden könne, sondern nur in rein empi⸗
rischer Untersuchung der menschlichen Verstandestätigkeit.
Den damit gewiesenen Weg ist der dritte große englische
Denker dieser Zeit gegangen, Locke (1632 1704); sein „Essay
concerning human understanding“ ist im Jahre 1690 er—
schienen.
Locke glaubte dem Problem, in welchen Grenzen der Mensch
überhaupt erkenntnisfähig sei, direkt zu Leibe zu gehen, indem er
dem Ursprunge der menschlichen Vorstellungen nachging. Und
da fand er denn einen Hauptunterschied: die Vorstellungen
schienen ihm ihrem Ursprunge nach entweder einfach zu sein
oder zusammengesetzt. Einfache Vorstellungen waren ihm die⸗
jenigen, in denen wir unsere eigenen seelischen Zustände er—
fahren, Vorstellungen mithin, die gar keinen anderen Inhalt
als diese Zustände haben; und ihre Wahrnehmung nannte
Locke Reflexion. Zusammengesetzt aber erschienen ihm Vor—
stellungen, die uns durch sinnliche Wahrnehmung, durch Sen—
sation aus der verworrenen Außenwelt vermittelt werden, und
deren Zerlegung und Ordnung erst durch die reflektierende
Tätigkeit erfolgt.