Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  IV.

373

der  Vorstellung  nach  gar  keine  Obergrenze  gesetzt  ist  Es  empfiehlt
sich  daher,  dieses  ungleich  innigere  Verhältnis  des  Geschehens  zu
unserem  erkennenden  Denken  auch  im  Ausdruck  festzulegen:  dort,  in
der  Metahistorie,  begreifen  wir  nur;  hier,  in  der  Historie,  verstehen ­
  wir.  Abschließend  kann  man  also  diesen  zweiten  Vorzug  der
historischen  Erkenntnis  dahin  formulieren,  daß  wir  das  metahistorische
Geschehen  stets  nur  aus  der  Analogie  zu  begreifen,  das  historische ­
  Geschehen  aber  aus  seinen  inneren  Zusammenhängen ­
  zu  verstehen  vermögen.
Man  darf  daher  nicht  glauben,  daß  in  Sachen  des  einst  Geschehenen ­
  stets  der  Metahistorie  das  letzte  Wort  der  Erkenntnis
Vorbehalten  ist.  Sie  spricht  schlechthin  ein  anderes  Wort,  und  dieses
hat  nicht  einmal  den  besseren  Klang  1  Wenn  in  unserem  Beispiele
der  Metahistoriker  die  Deutung  der  gewissen  Formen  dem  Historiker
aus  der  Hand  nehmen  wollte,  so  wäre  dies  wohl  von  seinem  Standpunkte ­
  aus  konsequent  gehandelt;  wie  weit  er  bei  diesem  Beginnen
käme,  soll  hier  außer  Erörterung  bleiben.  Jedenfalls  aber  würde  diese
Konkurrenzleistung  der  Metahistorie,  an  sich  betrachtet,  kein  A  u  fsteigen
  besagen,  sondern  eher  ein  Absteigen  in  der  Erkenntnis!
Der  Historiker  erschließt  da  vernünftige  Tat  und  weiß  sie  als  Römerarbeit ­
  bis  ins  unbegrenzte  zu  erklären.  Wenn  wir  an  Stelle  dessen
nun  die  kausalen  Verkettungen  auflösen,  die  Lebensäußerungen  eines
interpolierten  Lebewesens  den  fraglichen  Formen  einschieben,  so  besagt
dies  offenbar  nur,  daß  wir  darauf  verzichten,  ein  Geschehen  zu  erschließen, ­
  das  wir  aus  seinen  inneren  Zusammenhängen  zu  verstehen
vermöchten;  und  daß  wir  statt  dessen  ein  Geschehen  gestalten,  das  uns
nur  mehr  aus  der  Analogie  begreiflich  ist.  Da  besteht  wohl  kein
Zweifel,  wo  unsere  Erkenntnis  das  bessere  Geschäft  macht.  Aber  ich
betone  ausdrücklich,  daß  ich  hiermit  nur  die  Überlegenheit  der
historischen  gegenüber  der  metahistorischen  Erkenntnis ­
  demonstrieren  will,  und  nicht  etwa  das  bessere  Recht  einer
sogenannten  „teleologischen“  gegenüber  der  „Kausalerklärung“.  Das
hieße  eine  unzweideutige  Sache  durch  eine  ebenso  vieldeutige  als  vielmißbrauchte
  Ausdrucksweise  kompromittieren.
Den  formellen  Gegensatz  zwischen  den  beiden  Erkenntnisarten
habe  ich  dahin  zugespitzt,  daß  die  Historie  eine  Interpretation  von
Sein  ist,  um  Geschehen  zu  erschließen,  die  Metahistorie  aber  eine
Interpolation  von  Geschehen,  um  Sein  zu  ordnen.  Im  Anschluß  daran
fasse  ich  nun  auch  die  materiellen  Unterschiede  zwischen
Historie  und  Metahistorie  in  eine  Formel  zusammen:
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.