Abschnitt IV.
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der Vorstellung nach gar keine Obergrenze gesetzt ist Es empfiehlt
sich daher, dieses ungleich innigere Verhältnis des Geschehens zu
unserem erkennenden Denken auch im Ausdruck festzulegen: dort, in
der Metahistorie, begreifen wir nur; hier, in der Historie, verstehen
wir. Abschließend kann man also diesen zweiten Vorzug der
historischen Erkenntnis dahin formulieren, daß wir das metahistorische
Geschehen stets nur aus der Analogie zu begreifen, das historische
Geschehen aber aus seinen inneren Zusammenhängen
zu verstehen vermögen.
Man darf daher nicht glauben, daß in Sachen des einst Geschehenen
stets der Metahistorie das letzte Wort der Erkenntnis
Vorbehalten ist. Sie spricht schlechthin ein anderes Wort, und dieses
hat nicht einmal den besseren Klang 1 Wenn in unserem Beispiele
der Metahistoriker die Deutung der gewissen Formen dem Historiker
aus der Hand nehmen wollte, so wäre dies wohl von seinem Standpunkte
aus konsequent gehandelt; wie weit er bei diesem Beginnen
käme, soll hier außer Erörterung bleiben. Jedenfalls aber würde diese
Konkurrenzleistung der Metahistorie, an sich betrachtet, kein A u fsteigen
besagen, sondern eher ein Absteigen in der Erkenntnis!
Der Historiker erschließt da vernünftige Tat und weiß sie als Römerarbeit
bis ins unbegrenzte zu erklären. Wenn wir an Stelle dessen
nun die kausalen Verkettungen auflösen, die Lebensäußerungen eines
interpolierten Lebewesens den fraglichen Formen einschieben, so besagt
dies offenbar nur, daß wir darauf verzichten, ein Geschehen zu erschließen,
das wir aus seinen inneren Zusammenhängen zu verstehen
vermöchten; und daß wir statt dessen ein Geschehen gestalten, das uns
nur mehr aus der Analogie begreiflich ist. Da besteht wohl kein
Zweifel, wo unsere Erkenntnis das bessere Geschäft macht. Aber ich
betone ausdrücklich, daß ich hiermit nur die Überlegenheit der
historischen gegenüber der metahistorischen Erkenntnis
demonstrieren will, und nicht etwa das bessere Recht einer
sogenannten „teleologischen“ gegenüber der „Kausalerklärung“. Das
hieße eine unzweideutige Sache durch eine ebenso vieldeutige als vielmißbrauchte
Ausdrucksweise kompromittieren.
Den formellen Gegensatz zwischen den beiden Erkenntnisarten
habe ich dahin zugespitzt, daß die Historie eine Interpretation von
Sein ist, um Geschehen zu erschließen, die Metahistorie aber eine
Interpolation von Geschehen, um Sein zu ordnen. Im Anschluß daran
fasse ich nun auch die materiellen Unterschiede zwischen
Historie und Metahistorie in eine Formel zusammen: