Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Aufklärung und Pietismus. 
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unter Anpassung an das Durchschnittsdenken der Zeit, wie es 
in ihm selbsi verkörpert war, ist das große Verdienst Christian 
Wolffs. Vor ihm aber ging ein Prophet her, der vom all⸗ 
gemeinen Standpunkte der rationalistischen Wissenschaften und 
zugleich in starker Anlehnung an Leibniz den Weg mit dem 
Werkzeuge etwas leichterer und lesbarerer Schriften glücklich be— 
reitete: Christian Thomasius. 
Beide, Wolff wie Thomasius, gingen in gewissem Sinne 
von Leipzig aus, das wir später als eines der Zentren, wenn 
nicht das Hauptzentrum der literarischen Bewegung dieser Zeit 
kennen lernen werden; beide hat die in diesem wie in anderen 
Fällen unduldsame Universität Leipzig, die in den Anfängen 
der hier geschilderten Bewegung noch auf seiten der theologischen 
Scholastik stand, an das aufstrebende Halle, die früheste aus⸗ 
gesprochene Pflanzstätte des Neuen, verloren. 
Thomasius, der Sohn eines Leipziger Philosophieprofessors, 
hat von 1655-1728 gelebt. Zunächst der begeisterte Verkünder 
des neuen wissenschaftlichen Lebens auf dem Gebiete der Juris- 
prudenz, doch auch schon fruh der Philosophie zugewandt, ver⸗ 
trat er mutig deren Sache in der reabktionären Luft der 
Leipziger Universität. Er suchte da zunächst das Latein aus 
den Vorlesungen zu verdrängen, nachdem eine deutsche wissen⸗ 
schaftliche Prosa für das Recht schon im 18., für die Natur— 
wissenschaft schon im 14. Jahrhundert ausgebildet worden war; 
im Jahre 1688 lud er in einem deutschen Programm zu 
deutschen Vorlesungen ein üüber die Aphorismen des Gracian, 
eines weltklugen spanischen Jesuiten. Bald darauf reichte er, 
nach diesem „unerhörten Greuel“, den ersten Teil seiner Ver⸗ 
nunftlehre, ebenfalls in deutscher Sprache, der philosophischen 
Fakultät zur vorschriftsmäßigen Zensur ein. Damit nicht 
genug, gab er auch noch seit demselben Jahre 1688 die erste 
deutsch geschriebene Monatsschrift heraus, die „Scherz— und 
ernsthaften, vernünftigen und einfältigen Gedanken über aller— 
hand lustige und nützliche Büucher und Fragen“. Das war für 
Leipzig schon überwältigend; als Thomasius dann gar noch den 
Zamprecht, Deutsche Geschichte. VII. 1. 1
	        
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