Aufklärung und Pietismus.
138
dem Klein-Paris, das seine Leute bildete!. Leipzig aber trat
schließlich noch die 1734 begründete neue Universität Göttingen
zur Seite und wurde in gewissen Richtungen, namentlich mehr
ausschließlicher Gelehrsamkeit, fuͤhrend, während Halle inzwis chen
pietistischen Einflüssen unterlegen war. Der Göttinger Geist
speziell kann durch nichts besser charakterisiert werden, als durch
die Worte, in denen der erste Prorektor der Universität, der
geistig vielfach angeregte Freiherr von Münchhausen, die Rich—
sung der theologischen Fakultät bezeichnete: diese Fakultät sei
weder mit solchen Maͤnnern zu besetzen, deren Lehren zum
Atheismus oder Naturalismus leiten oder auch die Articulos
fundamentales religionis evangelicae anfechten, noch auch
mit solchen, welche ein evangelisches Papsttum behaupten, ihr
ganzes System anderen aufdringen, diejenigen, so in gewissen
das Fundamentum sidei nicht konzernierenden quaestionibus
mit ihnen kein gleiches Sentiment führen, verketzern und die
Lãbertatem conscientias samt der Toleran; als unleidlich an⸗
sehen, wodurch nichts als unnötiger Streit und innerliche Un⸗
ruhe zu entstehen pflege.
Nachdem aber die Aufklärung auf den damals wichtigsten
mitteldeutschen Universttäten Fuß gefaßt hatte, erstarkte sie auch
im protestantischen Suüden; Erlangen und das 1734 und 1748
nen begründete Tübingen wurden hier ihre Zentren.
Schwieriger verlief die Bewegung im Bereiche der Bildungs⸗
anstalten des katholischen Deutschlands. Hier war ihr noch tief
bis ins 18. Jahrhundert hinein der Weg durch die Lehr⸗
methode der Jesuiten versperrt, die Mittel- wie Hochschulen
noch immer beherrschte. Und auch da, wo dieser Methode,
die unter dem zunehmenden Reichtum des Ordens immer lässiger
geworden und schließlich ganz veraltet war, katholischer Wett⸗
bewerb entgegentrat, wie seitens der Piaristen, war damit der
Sache der Aufklärung noch nicht gedient. Denn auch die
b Leipzi te i i pitel dieses
i zig noch Genaueres unten im zweiten Ka
u ber 91.
uches, III. 2.