Full text : Neuere Zeit (Abt. 2)

16  Die  Entwicklung  der  deutschen  Portland-Zementindustrie  usw.

auch  an  anderen  Orten  in  Deutschland  Portland-Zementfabriken.
Bald  nach  der  Stettiner  Fabrik  ging  auch  die  Zementfabrik  von
Brunkhorst  und  Krogmann  in  Buxtehude,  Prov.  Hannover,  zur
Portland-Zementfabrikation  über,  während  sie  früher  nur  Romanzement ­
  hergestellt  hatte,  was  sie  noch  bis  in  die  60  er  Jahre  fortsetzte. ­
  1856  1  gründete  ein  Konsortium  Hamburger  Kapitalisten
in  Oppeln  in  Schlesien  eine  Portland-Zementfabrik,  die  an  W.
Grundmann  verpachtet  wurde.  1862  ging  die  Fabrik  in  den
alleinigen  Besitz  Grundmanns  über.  1872  wurde  sie  in  eine
Aktiengesellschaft  umgewandelt  und  mit  der  von  H.  Pringsheim
1865/66  erbauten  Fabrik  in  Kgl.  Neudorf  bei  Oppeln  vereinigt.
Ferner  wurde  1860/61 1  2  3  eine  Fabrik  in  Mannheim  und  1861®  die
der  Gebrüder  Heyn  in  Lüneburg  errichtet.  Das  waren  die  ersten
deutschen  Portland-Zementfabriken.  Die  Bedingungen,  die  an
einem  Orte  erfüllt  sein  müssen,  wenn  man  eine  Portland-Zementfabrik ­
  mit  Aussicht  auf  guten  Erfolg  errichten  will,  bestehen
natürlich  zunächst  in  dem  Vorhandensein  von  geeigneten  Rohmaterialien ­
  in  genügender  Menge.  Man  muß  dabei  nicht  nur
ihre  chemische  Zusammensetzung  berücksichtigen,  sondern  auch
ihre  physikalischen  Eigenschaften,  die  die  Verarbeitung  nicht
allzu  sehr  erschweren  dürfen.  Man  muß  ferner  darauf  achten,
daß  die  Rohstoffe  möglichst  zu  Tage  liegen,  damit  ihre  Gewinnung ­
  nicht  zu  teuer  wird.  Schließlich  muß  man  auf  den
Preis  der  Brennstoffe  einschließlich  Transportkosten  bis  zur
Fabrik  und  auf  die  Arbeitslöhne  und  Arbeitsverhältnisse  überhaupt ­
  sehen.  Daß  vor  allen  Dingen  ein  genügender  Absatz  vorhanden ­
  sein  muß,  erscheint  wohl  als  selbstverständlich,  und  doch
ist  gerade  dieser  Punkt  im  Laufe  der  Entwicklung  der  deutschen
Portland-Zementindustrie  zu  ihrem  großen  Schaden  nicht  genügend ­
  beachtet  oder  gänzlich  ungerechtfertigter  Weise  viel  zu
günstig  beurteilt  worden.

1  Friedrich,  Schlesiens  Ind.  unt.  d.  Einfl.  d.  Capriv.  Ilandelspol.  1899—1900,
Berlin  1902.
2  Mohr,  Die  deutsche  Zementindustrie,  Schmollers  Jahrb.  1902,  S.  1192.
3  Hirschfeld,  Hannov.  Großindustrie  im  Großhandel  1891.
            
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