Aufklärung und Pietis mus. 153
potestate Romani pontificis“ (1768) eingeleitet, bei der welt⸗
lich-geistlichen Doppelstellung der deutschen Bischöfe mit Aus—
nahme derjenigen sterreichs unmittelbar in die Politik hinein—
führte und dort gescheitert ist. Weiterhin ist dann wohl auch
der Versuch gemacht worden, das religiöse Leben der Laien
und die Bildung des Klerus zeitgemäßer, und das heißt auf—
klärerischer, zu gestalten. Und auf diesem Gebiete wurde
schließlich nicht wenig erreicht: die Reformen ziehen sich aus
den Zeiten Maria Theresias und der letzten teilweis trefflichen
reichsfürstlichen Bischöfe, eines Franz Ludwig von Erthal von
Würzburg und Bamberg, eines Emmerich Joseph von Mainz,
eines Maximilian von Köln, bis tief ins 19. Jahrhundert
hinein, wo sie jene lebensvolle Nachblüte der praktischen Auf—
klärung unter Dalberg, Wessenberg, Michael Sailer und
Ladislaus Pyrker gezeitigt haben, die erst der aufkommende
Klerikalismus des 19. Jahrhunderts zerstörte!. Indes diese
Entwicklung, an sich und namentlich für die Geschichte der
deutschen katholischen Kirche des 19. Jahrhunderts von großer
Bedeutung, verlief doch nicht in den vordersten Wellen der
geistigen Strömung.
Hier wurde vielmehr fast ausschließlich die protestantische,
und zwar, bei dem Erstarren des Geisteslebens der Nieder⸗
lande im 18. Jahrhundert, vornehmlich wiederum die lutherische
Kirche des inneren Deutschlands getroffen. Und indem sich
hier die Aufklärung nunmehr dem Christentum als eine eben⸗
bürtige Macht entgegenzusetzen begann, wurden verschiedene
Stadien einer immer mehr lösenden, schließlich scheinbar zer⸗
setzenden Entwicklung durchlaufen, freilich in dem Sinne, daß
sie teilweis gleichzeitig nebeneinander bestanden und auch vielfach
Mischrichtungen zwischen ihnen vorkamen.
Zunächst — und das war die konservativste Auffassung —
hielt man am Dogma noch völlig fest, setzte dasselbe gleich mit
der Offenbarung, ließ also die entgegengesetzte Auffassung schon
der älteren rationalistischen Theologie nicht zu, und suchte für
S. dazu einstweilen Ergänzungsband II, 2, S. 97 ff.