Erstes Kapitel.
Die bildenden Fünste des VBarocks und
des Rokokos.
Die Entwicklung der Architektur auf deutschem Boden
vährend der eigentlichen Renaissancezeit und bis zur Mitte des
17. Jahrhunderts war nicht einheitlich verlaufen!. Vor allem
die Niederlande, dieser weltgeschichtlich in jener Zeit besonders
reich befruchtete Winkel deutschen Wesens, hatten sich ab—
gesondert. Aber auch auf deren Boden wiederum war die
Entwicklung schließlich nicht einheitlich gewesen. Von gemein—
samem Grunde aus hatte sich unter dem Einflusse völlig ver—
schiedener politischer und geistiger Schicksale in ihrem Süden ein
üppiges Barock, in ihrem Norden eine verständige und würdige
Spätrenaissance entfaltet. Von ihnen war dann der vlämische
Stil, von den Voraussetzungen des italienischen Barocks beeinflußt,
anter dem gewaltigen künstlerischen Drucke der Persönlichkeit
Rubens' wenigstens im Kirchenbau ganz zur Blüte gelangt;
und noch zu Rubens' Lebzeiten hatte er eine nicht unbedeutende
Einwirkung auf die französische Architektur gehabt, während
er den binnendeutschen Bauten fernblieb. Die holländische
Spätrenaissance dagegen, eine würdige Tochter Palladios, da⸗
neben auch von Scamozzi und Vignola beeinflußt, hatte vor
Vgl. hierzu und zum Folgenden Bd. VI, S. 268 ff.