194 Zwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
und Rembrandt erkennen? Und so erfüllten sie in diesem Zeit—⸗
alter auch die germanische Welt.
Von Italien zunächst, wo es seit dem letzten Viertel des
16. Jahrhunderts zu voller Blüte gelangt war, ist das Barock
ins innere Deutschland vorgedrungen; Salzburg, der alte Schau⸗
platz italienischen Baueinflusses, sah seit 114 den ersten Dom
des neuen Stils entstehen. Es ist ein noch ganz italienisches
Monument von großer und wuchtiger Wirkung, fern dem
malerischen Sichgehenlassen der gleichzeitig abblühenden deutschen
Renaissance, und sein Schöpfer war ein Italiener, der Comaske
Sautino Solari.
Aber nach dem großen Kriege begannen sich auch heimische
Architekten, zunächst Süddeutschlands, den Stil unter Ein—
fügung deutscher Motive anzueignen. Zwar blieb dabei für die
kirchliche Architektur, die noch immer im Vordergrunde alles
Bauinteresses stand, das in Italien am Petersdom erprobte,
bon Solari schon auf Salzburg übertragene Grundrißschema
bestehen: Verbindung von Langhaus und Zentralbau, Tambour⸗
kuppel über der Vierung, Auflösung der Nebenschiffe in Kapellen—
räume. Es war ein Schema, das vollkommen dem Bedürfnisse
des im Tridentinum neugeordneten katholischen Kultes ent—
sprach; in Salzburg allein ist es mit kleinen Anderungen im
Laufe der Jahre 1686 -1707 in sechs verschiedenen Fällen zur
Anwendung gelangt. Aber wie man sich hier im einzelnen
schon starke Abweichungen erlaubte, während gleichzeitig die
alten Formen einschiffiger und dreischiffiger Basiliken ohne
Querschiff noch gelegentliche Verwendung fanden, so fügte man
dem Ganzen auch gern ein Bauglied bei, auf das die deutsche
Architektur immer einen besonderen Wert gelegt hat: zwei die
Westfassade beherrschende, möglichst langgereckte, zwiebelhauben⸗
bedeckte Türme. In dieser Form, unter immer stärkerer Aus—
bildung der einzelnen tektonischen und ornamentalen Teile ins
Überladene, ja Plumpe hat dann das Barock als Kirchenstil
rine überaus weite Verbreitung gefunden, denn kaum ein Zeit—
alter, abgesehen etwa vom 12. und 13. Jahrhundert und der
Gegenwart, hat in Deutschland kirchlich so viel gebaut als