Die bildenden Künste des Barocks und des Rokokos. 195
das letzte Drittel des 17. und die beiden ersten Jahrzehnte
des 18. Jahrhunderts.
Vor allem waren es die alten Abteien, die sich jetzt von
den Schrecken der Reformation erholt hatten, zu geregelter Be—
wirtschaftung der Trümmer ihres mittelalterlichen Großgrund—
besitzes fortgeschritten waren, dessen Einkünfte sie mit Vergnügen
durch die sichere Rechtsprechung des absoluten Staates gewähr⸗
leistet sahen und nun ihren Überschuß zu kostbaren Neubauten
derwandten. Den Reigen führte hier Kempten, die den Bauern
der agrarischen Unruhen des 15. und 16. Jahrhunderts so be—
sonders verhaßte Abtei; seine prächtige Stiftskirche ist in den
Jahren 1652-1670 entstanden. Und dann folgte eine Fülle
anderer Klöster; so Admont in Niederösterreich, Braunau in
Böhmen, Ebrach in Franken, St. Gallen, Klosterneuburg bei
Wien, Kremsmünster, Leubus in Schlesien, Einsiedeln in der
Schweiz, bis die Reihe in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahr—
hunderts etwa mit Melk in Niederbsterreich, Göttweig bei Krems,
Grüssau in Schlesien, Furstenfeld bei München, Banz in Franken
und Weingarten bei Ravensburg geschlossen wurdei.
Und neben den freilich besonders eifrigen Klosterleuten
bauten auch die kirchlichen Fürsten: denn noch trat für sie in
dieser Periode der weltliche Bauherr hinter dem kirchlichen
zurück; erst die Zeiten des Rokokos haben, dann freilich in
üppigster Ausstattung und größtem Umfang, die weltlichen
Residenzen, Paläste und Schlösser landesherrlicher Bischöfe
ahlreicher emporwachsen sehen. Jetzt aber wurden noch die alten
Dome teilweis ins Barocke ausgebaut; wie im Vlamland, so
wurden auch im innern Deutschland namentlich die romanischen
Anlagen von diesem Schicksale —DDDDD——
zu Passau (seit 1684 umgebaut), mit am spätesten der Dom zu
Hildesheim (seit 1780). Daneben aber erstanden neue Bauten;
reiche Pfarreien, namentlich der größeren Städte, wetteiferten mit
dem Klerus der Stifter: und auch die katholischen Laienfürsten
traten in den Wettbewerb ein; ja grade ihrem Entschlusse wurden
Val. Dohme, Gesch. d. deutschen Baukunst S. 375, 4606.
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