204 SZwanzigsies Buch. Erstes LKapitel.
1708) und Lendtre (1613 1700), einen De Cotte (1656 bis
1785), Boffrand (1667 -1754), und Briseur (1680 - 1754),
ward es, während sie zugleich im städtischen Palastbau weiter—
schufen, verwirklicht.
Indem aber diese Veränderung eintrat, erhielten auch die
Innenräume, in deren Dekoration sich vor allem das Kunst⸗
empfinden der Zeit auswirkte, allmählich einen gänzlich ver⸗
inderten Charakter; denn jetzt wurde das Problem der Licht⸗
bewältigung von einem ganz anderen Standpunkte her auf⸗
gefaßt. Die italienischen Paläste hatten, zur Abwehr der Hitze
des Südens, verhältnismäßig nur kleine Fensteröffnungen haben
können. Es war ein Motiv, das aus der Architektur der ita—
lienischen Renaissance wie des Barocks der Natur der Sache nach
niemals verschwinden konnte. Als man dagegen den italienischen
Stil in Frankreich aufnahm, sah man sich an so kleine Licht—
öffnungen keineswegs gebunden; bald wurden die Fenster ver⸗
größert; und als Bernini seinen berühmten Plan zum Ausbau
des Louvre aufstellte, konnte man ihm unter anderem mit dem
für die französische Betrachtung allein schon durchschlagenden
Vorwurf entgegentreten, die Fensteröffnungen seien viel zu klein.
Indem aber immer stärkeres Licht in die mit schwerer
Barockarchitektur ausgestatteten Zimmer, Korridore, Säle ein—
strömte, empfand man die Reflexe, welche von dem dunklen
Tone der Möbel, den überwuchtigen Profilen, dem ver—
schwenderisch angebrachten Golde ausgingen, als verwirrend,
unruhig und geschmacklos. Das Bedürfnis trat auf, das Licht
vielmehr in den breiten Schwaden, in denen es zu den Fenstern
eindrang, einheitlich und groß wirken zu lassen. Es konnte
am einfachsten befriedigt werden, wenn man diesem Lichte nichts
entgegensetzte als Weiß. Es ist die vom älteren Mansart
Jefundene Lösung: er ging von den tiefen Tönungen des barocken
Stucks zur einfachen Nachahmung weißen Marmors über.
Aber inzwischen war das Lichtbedürfnis und die Lichteinfuhr
in das Innere der Bauten noch beträchtlich gewachsen. Je mehr
der Bau ländlicher Paläste zunahm, um so mehr näherte man sich
der freien Natur: und diese war ja schlechthin belichtet. Zudem: