Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Neunzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
15. Jahrhundert und seit der Reformation kennzeichnet; wurde 
auch der wissenschaftliche Ausdruck des tiefen Gefühls, vom 
Mittelalter grundsätzlich getrennt zu sein, in einer entsprechen— 
den Periodisierung der Geschichte erst in der zweiten Hälfte des 
17. Jahrhunderts gewonnen, so zog man doch die praktischen 
Folgerungen dieses Gefühls schon viel früher: bereits die Ent— 
wicklung des Humanismus und der Renaissance beruhen 
auf ihm. 
Die räumlichen Rezeptionen aus gleichzeitigen Kulturen 
aber wurden vor allem durch die internationalen Verkehrs— 
beziehungen, wie sie mit steigender Geldwirtschaft außerordent⸗ 
— DDDO 
Beziehungen zunächst vornehmlich sachlicher Natur: Austausch 
von Büchern, Kunstwerken, Waren, so trat doch bald ein ge— 
steigerter persönlicher Verkehr hinzu. Mit der Wende des 
16. Jahrhunderts kam zunächst für den deutschen Adel, dann 
aber auch für die besseren Angehörigen des Bürgerstandes die 
Sitte auf, zur Erweiterung der heimischen Erfahrung und zum 
Abschluß der Jugendbildung eine längere Reise zu unternehmen, 
die später so genannte Kavaliertour. Und fast ausnahmslos 
führte diese in fremde Lande; in der zweiten Hälfte des 
17. Jahrhunderts umfaßte sie bei voller Ausdehnung der Regel 
nach die Niederlande, England, Frankreich und Italien. Es 
war eine Einrichtung, die ohne weiteres zum Einfluß fremder 
Kulturen in der Heimat führen mußte; begünstigt wurde sie 
durch eine zahlreiche Literatur von Reisehandbüchern, die auch 
an sich schon viel zur Kenntnis der Fremde beitrug. Dieser 
Literatur ist dann in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts 
eine außerordentlich verbreitete und hochentwickelte Literatur 
der praktischen Lehren der Kaufmannschaft und des Handels 
gefolgt, die wiederum eine Steigerung des Verkehrs ebenso 
bewies wie förderte. 
Und zu der großen wirtschaftlichen Ursache der zunehmen⸗ 
den Durchdringung der westeuropäischen Kulturen traten andere. 
Das wichtigste Lebensmotiv des 16. Jahrhunderts, das religiöse, 
hedingte bestimmte internationale Zusammenhänge, die nicht
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.