Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die bildenden Künste des Barocks und des Rokokos. 211 
französischen Nachbarschaft; zudem herrschten während des 
Verlaufes des Rokokos wenigstens in Köln Kurfürsten aus 
dem wittelsbachischen Hause, das in München den neuen 
Stil besonders früh und besonders energisch eingeführt 
hatte. Außer dem Rhein kommen noch die Maingegenden, wo 
die Schönborns als Bischöfe von Bamberg, Würzburg und 
Mainz eine verschwenderische Bautätigkeit entfalteten, sowie 
Berlin und Potsdam vornehmlich in Betracht. In Wien wurde 
das Rokoko zwar auch mit Enthusiasmus aufgenommen, doch 
hielt ihm hier und namentlich auch in Salzburg der alt— 
reingebürgerte italienische Einfluß so weit stand, daß barocke Ele— 
mente niemals gänzlich verschwanden. Mehr oder minder deutlich 
läßt sich das an den Bauten Martinellis, Hildebrands und der 
beiden Fischer von Erlach ersehen, während in Berlin Knobels— 
dorff mehr als irgend ein deutscher Architekt an dem speziell 
französischen Stil festhielt und Johann Balthasar Neumann in 
dem Würzburger Schlosse, diesem ausgedehntesten aller deutschen 
Fürstensitze der Rokokozeit, einen persönlichen Stil voll nationalen 
Empfindens durchführte. Am besten erhalten, als Kunstwerke 
zugleich der Architektur und der Gartenkunst, sind wohl in 
Potsdam Sanssouci, in Wien das Belvedere des Prinzen Eugen 
von Savoyen, auch Schönbrunn, in Salzburg das kleine, archi— 
tektonisch besonders interessante Schloß Mirabell mit wenig 
Gartenanlagen, in Bayern Nymphenburg und, freilich nur mit 
Resten des Gartens, Würzburg, am Rhein endlich Schwetzingen, 
Brühl und Benrath. Doch stehen neben diesen Schlössern noch 
eine Menge anderer, die ebenfalls den ganzen Stil vergegen⸗ 
wärtigen. 
Denn die Baukunst war jetzt fast nicht mehr lokal beein— 
flußt und verfügte auch, nach dem Import eines fremden Stiles, 
nicht mehr über mehrere Schulen, die sich aus eigener Ent— 
wicklung heraus differenziert hätten: frei schaltete über ganz 
Deutschland hinweg der Einfluß der großen Pariser Archi— 
tekten, de Cottes vor allem, der u. a. auch die bischöfliche 
Residenz, das heutige Kunstgewerbemuseum in Straßburg ge— 
baut hat (1728 -1741) und künstlerischer Berater der Wittels⸗ 
14*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.