212 Zwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
bacher Fürsten auf dem kölnischen Kurstuhl war, sowie in ge⸗
wissem Sinne fast noch mehr der Boffrands. Der Autorität
dieser Architekten, mochten sie nun selbst Pläne entwerfen oder
durch ihre Schriften oder durch Begutachtung von Plänen wirken,
folgte das Heer der deutschen Baumeister.
Und diese Baumeister begannen sich außerdem sehr bald,
auch wenn sie schon selbständig waren, ihre Bildung in Paris
zu holen, oder wurden jung von deutschen Fürsten dorthin ge⸗—
schickt; so hat Effner, nachdem er auf Kosten des bayrischen
Kurfürsten Max Emanuel in Paris studiert hatte, in München
den Stil der Régence eingeführt. Neben ihnen aber arbeitete
eine Anzahl wirklicher französischer Architekten, z. B. Cuvilliés
und Leveiller, und unter ihnen gar nicht selten auch franzö—
sische Handwerker namentlich der Dekorationszweige: Maler,
Stukkateure, Dekorateure, Tapezierer. So wurde denn das
heimische Kunstgewerbe von diesem Aufschwunge der Bautätig—
keit verhältnismäßig gering befruchtet, und nach dem Tode eines
fürstlichen Mäcens verflog nicht selten die ganze von ihm bisher
beschäftigte Künstler- und Handwerkerschar, ohne dauernde Wir⸗
kungen zu hinterlassen.
Es war ein Umschwung, der die noch immer vorhandenen
rReste des deutschen Kunstgewerbes, das im 16. und auch noch
im 17. Jahrhundert so reich geblüht hatte, aufs empfindlichste
treffen mußte. Zwar war schon in der zweiten Hälfte des
17. Jahrhunderts ein gewisses Nachlassen zu bemerken gewesen
im protestantischen Norden, der z. B. in Holstein noch durch
das ganze 16. Jahrhundert hindurch eine stolze Höhe der Holz⸗
schnitzkunst aufgewiesen hatte, hatten sich schließlich grade auf
diesem Gebiete die zerstörenden Wirkungen der Reformation,
deren Gotteshäuser keiner Statuen bedurften, eingestellt, wenn
auch Orgel und Kanzel und Kirchengestühl noch Anlaß zu
manchem Auftrag boten, und in den großen kunstgewerblichen
Stücken, die in der Richtung auf wirkliche Kunst lagen, hatten
die binnendeutschen Meister schwer unter dem Wettbewerb der
Niederländer zu leiden gehabt. Aber trotzdem hatte sich doch
noch wenigstens der Süden Deutschlands, Augsburg und Nürn—