Übersicht der fremden Kultureinflüsse vom 16. bis ins 18. Jahrh. 5
auf den ursprünglichen Charakter ihrer Entstehung beschränkt
blieben: der katholische Süden Deutschlands ward ganz allgemein
auf engere Beziehungen zu Italien und Spanien hingewiesen,
der protestantische Norden pflegte den Verkehr mit den
Niederländern und den französischen Hugenotten. Außerdem
aber wurde der deutsche Boden längere Zeit hindurch zum
Zufluchtsort religiös Bedrängter; schon früh gelangten flüchtige
italienische Protestanten nach der Schweiz, Franzosen nach den
Rheinlanden; spanisch-protestantische Gemeinden gab es in
Genf, Basel, Frankfurt a. M.; und all diese Flüchtlinge be⸗
fruchteten die neue Heimat auch mit allgemeinen Kultur—
elementen der Länder, die sie verlassen hatten.
Hierzu kamen dann noch besondere politische und soziale
Wirkungen, um den Verkehr der Nationen zu erhöhen. Schon
das labile Gleichgewicht des europäischen politischen Konzerts
in dieser Zeit sorgte dafür: es hat spanischen Einflüssen seit
Mitte des 16., französischen seit Mitte des 17. Jahrhunderts
zum Siege verholfen; und so ist es kein Zufall, daß in
Deutschland bis nach 1600 die enge, steife, manieriert-zierliche
spanische Tracht getragen wurde, und daß sie, nach einer
allgemeinen Verwilderung während des Dreißjährigen Krieges,
in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erst durch die
französische Allongeperücke und die majestätische Kleidung des
Hofes Ludwigs XIV., dann durch den Haarbeutel und die
zierliche Tracht des französischen Rokokos abgelöst ward.
Diese Einflüsse aber wirkten. um so stärker, je mehr soziale
Entwicklung und politische Schicksale an den verschiedensten
Orten zur Ausbildung ähnlich charakterisierter Gesellschaften
unter der Herrschaft einer absoluten Monarchie führten. Das
wesentliche Moment ist dabei überall ber Übergang der führen⸗
den Schichten zu höfischen Lebensformen seit etwa der Mitte
des 17. Jahrhunderts; von nun ab begann es für die höfischen
Kreise auf längere Zeit mehr als jemals im Grunde nur eine
Literatur und nur eine bildende Kunst zu geben, wenn auch in
berschiedenen Sprachen und Formen künstlerischen Ausdrucks.
Die gegenseitige Durchdringung mit Elementen fremder