Die bildenden Künste des Barocks und des Rokokos. 221
und andere (Sir Peter Lely, Kneller) mit dem gleichen Erfolge
nach England.
Was aber daheim blieb, das schuf, anfangs noch mit
zewissenhaftester und wohlüberlieferter Technik, nach fremden
Mustern oder in Anlehnung an die Aufgaben, welche der Wand—
schmuck der Barock-, später der Rokokoarchitektur stellte. Da
handelte es sich um große Altarbilder mit meist geistig unendlich
leeren Darstellungen oder um breite Flächen einer immer
dekorativer werdenden Landschaftsmalerei, die, weit entfernt
vom Studium der heimischen Natur, an niederländische oder
italienische Landschaften anknüpfte oder in theatralisch-heroischem
Tone ideale Bilder schuf. Oder aber es kamen neben den Auf⸗
gaben für die Oltechnik Fresken in Frage: die Bemalung weiter
Strecken barocker Kuppel-⸗, Gewölbe- und Kappenräume. Und
hier noch am allerehesten ergaben sich originelle Aufgaben; der
Sinn für Großräumigkeit und weiter Blick mußten entwickelt,
das Schaffen auf den Gesamteindruck mußte geübt werden; und
die Zeiten des Rokokos wenigstens erforderten so viel Grazie, daß
das Ausklingen der heiteren Festesstimmung der Architektur in
einem bunten, hellen Nichts der Deckenmalerei zum vollen Aus—
druck drängte. So sind hier in der Tat noch eine Anzahl von
Meistern mit Ehren zu nennen, vor allem von der italienischen
Tradition erfüllte Osterreicher, etwa Johann Friedrich Rottmayr
1660 -1730), Peter Strudel (1660 - 1714) und andere. Sie
haben mit einer Virtuosität sondergleichen und unter geschicktester
Lösung der technischen Aufgabe ihre Verkürzungen gemalt und
tausend Decken mit Engeln und Amoretten, mit dem Olymp
und der Dreieinigkeit bevölkert: doch eine große Förderung
der kuünstlerisch-ästhetischen Anschauung oder auch nur eine
große gemütlich-ästhetische Wirkung ist auch von ihnen nicht
ausgegangen.
Das gilt nun erst recht von den Vertretern der selb⸗—
ständigen Staffelmalerei. Sie klebten noch mehr am Fremden,
gelehrige Schüler ohne Individualität; Screta (f 1674 ver—
stand Michelangelo, Caravaggio, Rafael, Dominichino, Guido
Reni und den Veronese nachzuahmen; Dietrich (f 1774),