Übersicht der fremden Kultureinflüsse vom 16. bis ins 18. Jahrh. 7
also dz so diejenigen, welche vor zwantzig Jahren Todes ver⸗
blichen, jetzige zeit wider von dem Todten aufstunden und jhre
Posteros und nachkömlinge sehen, dieselben garnicht kennen
würden, sondern meinen, das es eitel Frantzösische, Spanische,
Welsche, Engelische und andere Völcker weren, die doch auß jhrem
Vaterland nie mals kommen sein.“
Woher nun diese besonders ungünstige Stellung unserer
Nation in dem gewaltig anwachsenden Kulturaustausch der
abendländischen Völker schon im Beginn des 17. Jahrhunderts?
Es ist die Geschichte der letzten Jahrhunderte, ja wenn
man will die ganze uns bekannte geschichtliche Vergangenheit
der Nation, die sich in dieser Tatsache spiegelt. Von jeher
war das deutsche Land den Ländern romanischen Charakters
an Kulturelementen unterlegen gewesen; der Vorsprung, den
diese als ehemalige Teile des römischen Weltreichs wie in
ihrer schon bei Beginn der christlichen Ara vergleichsweise
höheren eigenen Kultur besaßen, ist vielfach erst im 18. und
19. Jahrhundert, und auch dann noch nicht ganz und auf allen
Gebieten, ausgeglichen worden. Neben diesem allgemeinen Zu—⸗
sammenhang aber, der im Mittelalter vor allem in der Auf⸗
nahme des französischen Ritterideals zum Ausdruck gelangt
war, hatten seit dem Zeitalter der Entdeckungen besondere Ur⸗
sachen schädlich gewirkt: wir wissen, wie seitdem besonders die
Anderungen im Welthandel das deutsche Bürgertum, seit
spätestens dem 15. Jahrhundert den Träger der deutschen
Kultur, verheerend getroffen hatten, und wie politische Ursachen,
besonders die strenge Behandlung der deutschen Großstädte
durch Karl V., hinzukamen, um seit den dreißiger und vier⸗
ziger Jahren des 16. Jahrhunderts ein Sinken der deutschen
Kultur herbeizuführen, das schon in der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts in wachsend pessimistischer Stimmung zutage
tritt. „O Dudeslant, Dudeslant,“ schrieb damals ein nieder—
deutscher Mann an den Rat zu Braunschweig, „ick fruchte,
dat Dudeslant eyne grote strafe avergan wart!.“ Diese
Steinhausen, G. d. d. Briefes 2, 1.