Die Dichtung der Renaissance in ihren unmittelb. Abwandlungen. 253
der Kurfürstin Louise Henriette von Brandenburg (1627 67)
ein Lied von der herben und ergreifenden Tiefe des „Jesus meine
Zuversicht“ gelingen konnte. Und er wird vollends sicher, wenn
wir den weiteren Verlauf der Renaissancedichtung verfolgen.
Die Dichtung der Opitzschen Zeit und der unmittelbaren
Nachfolger Opitzens hatte noch immer starke Momente der
reinen Renaissance enthalten; sie hatte der Nüchternheit nicht
ferngestanden, wenn sich auch die Neigung zu stärkerer formeller
und inhaltlicher Profilierung gleichsam des Gedankens immer
mehr regte: sie war sozusagen eine palladieske Poesie gewesen.
Auf sie folgte mit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
eine volle Barockpoesie. Gewiß war diese schon länger in einzelnen
Zügen vorbereitet, wie sie der intellektualistische Charakter der Re—
naissancedichtung von vornherein mit sich bringen mußte: so in der
blumenreichen Prosa Zesens, in den „kandierten Süßigkeiten“
Schirmers, in der spielenden Art der Pegnitzschäfer und, in
tieferem Sinne, auch in der mystischen Metaphorik des Angelus
Silesius. Allein ganz eingeführt hat sie doch erst der Begründer
der sogenannten zweiten schlesischen Schule, der behagliche,
heiterem Lebensgenusse ergebene Breslauer Ratsherr Hofmann
o»on Hofmannswaldau (1618-79).
Hofmann unterlag dabei dem Einflusse des italienischen
Barocks, wie es auf dem Gebiet der Dichtung Marino durch—
gebildet hatte: alle die schillernde, hyperbolische und metaphoreske
Manier dieses Meisters und seiner Schüler hat er in Deutsch—
land eingeführt. Und wie Sprache und dichterische Formen
sich bei ihm schwülstig aufblähten bis zu unverständlichem Bom—
hast, so verflüchtigte sich jeder erlebte Inhalt: an die Stelle
traten trotz besserer Anlage des Dichters der Regel nach im
Grunde phantasielose, um so mehr aber zu verstandesmäßiger
Hohlheit aufgebauschte Empfindungen und Erlebnisse, und vor
allem wurde der Liebespoesie durch das sogenannte Concetto ein
galantes Hautgout gegeben; war noch Gryphius nicht mit den
Franmzosen „zu glauben gesonnen, als könnt kein Trauerspiel
sondern Lieb und Buhlerei vollkommen sein“, so wurden jetzt
in jeglicher Dichtung mit aller Deutlichkeit, die der Bombast