Die Dichtung der Renaissance in ihren unmittelb. Abwandlungen. 267
Bühnenunterstützung boten. Die Antwort muß verneinend lauten.
Die Engländer spielten im wesentlichen nur ihre Stücke, sir
stellten sich nicht in den Dienst der deutschen Kunst; und sie
beseitigten zudem durch ihr Dasein noch all die geringen Keime,
die für die Entwicklung eines deutschen Schauspiels hätten in
Betracht kommen können. So vermochte ihr Einfluß auf die
deutsche Dichtung sich höchstens in der Nachahmung der „neuen
Englischen Manier und Art“ zu äußern. Diese Nachahmung
aber verschlechterte nochmals die Lage der deutschen Dramatik.
Nirgends zeigt sich das deutlicher, als in der Entwicklung
des bedeutendsten Dramatikers unmittelbar nach Hans Sachs,
Jakob Ayrers. Ayrer blieb in der ersten Periode seines
Schaffens (159398), da er sich noch an Sachs anschloß,
tüchtig; später (1598 -1605), als er neben anderen vor—
nehmlich englische Einflüsse aufnahm, brachte er plumpe
Marktstücke, bei denen die überladene Ausstattung und die An—
wesenheit der manieriert komischen Figur unangenehm auffällt,
wenn sich auch ein etwas klarerer Begriff der dramatischen
Form einzufinden scheint.
Im ganzen war somit dem deutschen Drama, wie es das
16. Jahrhundert ausgebildet hatte, durch das Dazwischentreten
der Engländer keineswegs geholfen: in den ersten Jahrzehnten
des 17. Jahrhunderts ist es ruhmlos verfallen.
Aber das waren die Zeiten der neuen Renaissance⸗
bestrebungen und der Opitzschen Reform. Sind diese nicht dem
deutschen Drama zugute gekommen?
Im Drama hatte die Renaissancetheorie, wie sie Opitz von
Franzosen und Niederländern übernahm, noch keine Ahnung
vom Psychologisch-Dramatischen: das Drama wurde nicht als
eine Dichtungsart betrachtet, die auf die Empfindung des
Hörers eine spezifische Wirkung ausübt, sondern im besten
Falle als eine besonders lebhafte Form der Erzählung, — also
dem Epischen noch eingeordnet. Dementsprechend wurden die
dramatischen Einzelformen nach dem Stoffe, nicht nach ihrer