Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

268 Zwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
Wirkung auf den Zuschauer unterschieden. So meint Opitz 
von der Komödie, sie bestehe in schlechtem Wesen und Personen: 
„redet von Hochzeiten, Gastgeboten, Spielen, Betrug und Schalckheit 
der Knechte, ruhmrätigen Landtsknechten, Buhlersachen, Leicht⸗ 
fertigkeit der Jugend, Geitze des Alters, Kupplerey und solchen 
Sachen, die täglich unter gemeinen Leuten vorlaufen“:. Die 
Tragödie dagegen wird dahin charakterisiert, daß sie , an der Majestät 
dem heroischen Gedichte (d. h. dem Epos) gemäß sei, ohne daß 
sie selten leidet, daß man geringen Standes Personen und schlechte 
Sachen einführe, weil sie nur von königlichem Willen, Tot— 
schlägen, Verzweiflungen, Kinder- und Vätermorden, Brande, 
Blutschande, Kriege und Aufruhr, Klagen, Heulen, Seufzen 
u. dergl. handelt“2. 
Man sieht: diese Theorie stand den Anschauungen des 
volkstümlichen Dramas nicht so fern, mochte sich auch Opitz 
für seine Ausführungen über die Tragödie außer auf Daniel 
Heinsius auf Aristoteles berufen. Die psychologische Grund— 
lage für das nationale und das Renaissancedrama war im 
ganzen dieselbe: das Renaissancedrama folgte dem nationalen 
Empfinden. Allein für den Aufbau der dramatischen Form 
standen die Dinge schon in der ersten Hälfte des 17. Jahr⸗ 
hunderts anders. Hier kam es schon nicht mehr darauf an, 
rein den Alten, sei es nun ihrer Praxis im Drama, sei es 
ihrer Theorie, zu folgen: auf diesem Gebiete hatten schon die 
anderen großen Nationen der westeuropäischen Völkerfamilie 
auf Grund der Renaissance neue Typen geschaffen, und es blieb 
nur die Aufgabe, sie abzulehnen oder ihnen zu folgen. 
Da hatten zunächst und am frühesten die Italiener aus 
den maurisch-spanischen Ringelrennen (juego de sortiga) die 
spektakulosen Maskeraden der Frührenaissance und aus diesen 
unter dem Einfluß bewußt-gelehrter Versuche, das antike Drama 
mit seiner Melophbie wieder aufleben zu lassen. das Dramma 
Zit. Borinski S. 82. 
*Noch nach Gottsched hat das Drama drei natürliche Unterarten, 
da wir drei Lebensarten in der Welt haben: dem Hofleben entfpricht die 
Tragödie, dem Stadtleben die Komödie, dem Landleben das Schäferspiel.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.