10
Neunzehntes Buch. Erstes Kapitel.
und französische Einwirkungen als die wesentlichsten bezeichnet,
so spielten daneben doch auch spanische und englische eine nicht
unbedeutende Rolle, die spanischen bis in die zweite Hälfte des
17. Jahrhunderts hinein, die englischen vornehmlich seit An—
fang des 18. Jahrhunderts. Den ersteren wird, wenn man
von der allgemeinen Bedeutung des spanisch charakterisierten
Jesuitismus und der Gegenreformation absieht, wenigstens
teilweise die Aufnahme der sogenannten Inventionen, der Vor⸗
läufer der Oper, seit etwa 1550, sowie im 17. Jahrhundert,
neben gewissen Einflüssen auf die vlämische Literatur seit etwa
1630, die Entwicklung der Schelmenromane verdankt; die letzteren
äußern sich im niederländischen Theater schon seit etwa 1580,
um ein Jahrzehnt später auch im binnendeutschen Theater,
schwellen dann aber erst seit etwa 1720 recht an, um auf dem
Gebiete der Philosophie und Dichtkunst fast während des
ganzen 18. Jahrhunderts und jedenfalls in der Übergangszeit des
individualistischen Zeitalters zum subjektivistischen auf bemerkens⸗
werter Höhe zu verharren.
II.
Versucht man ein Bild der italienischen Einflüsse im 16.
und in einem Teil des 17. Jahrhunderts zu entwerfen, so
entsteht die Schwierigkeit, sie gegenüber den unmittelbar antiken
Einwirkungen der Renaissance abzugrenzen. Diese Schwierig⸗
keit wird noch dadurch vermehrt, daß die Zeit selbst, wie noch
das ganze 17. und ein großer Teil des 18. Jahrhunderts,
unter dem Eindrucke stand, aus der Hand der Italiener in vielen
Dingen auch da die reine Antike empfangen zu haben, wo es
sich tatsächlich um Stücke der italienischen Kultur handelte, die
sehr selbständig, oft nur in äußerer Anlehnung an die Über—
lieferung der Römer und Griechen entwickelt worden waren.
Lebte doch dies ganze Zeitalter überhaupt des Glaubens, die
antike Kultur rein erneuert und — das war die Anschauung
wenigstens der späteren Geschlechter — vielfach übertroffen zu
haben; wie erstaunt war man da zum Beispiel im 18. Jahr⸗