Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

276 J Swanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
Enzyklopädien unfruchtbarer Gelehrsamkeit auszukramen, und 
die sittliche Atmosphäre der Hauptgeschichte wurde allmählich 
so höfisch verdünnt und parfümiert zugleich, daß das Ganze 
sich je länger je mehr einer uns unausstehlichen, doch von den 
—DDDDDDD——— 
Dieser Richtung schon des ausgehenden 16. Jahrhunderts 
arbeiteten dann die Renaissancebestrebungen des 17. Jahrhunderts 
zum mindesten nicht entgegen. Vielmehr wuchsen unter deren 
Einflusse der aufgeblasene Schwulst und die gezierte Unnatur 
wie auch die trocken-didaktischen Zwecke: die Amadisromane 
des 16. Jahrhunderts wurden in dieser Hinsicht bei weitem 
durch des Herrn Superintendenten Buchholtzens „Wunder—⸗ 
geschichte des christlichen deutschen Großfürsten Herkules und 
der böhmischen königlichen Fräulein Valisca“ (1659) oder seines 
Herrn, des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig, „Durch⸗ 
lauchtige Syrerin Aramena“ (1669 -78) übertroffen. 
Allein dieser Richtung im Roman trat in der zweiten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts allmählich eine andere entgegen, 
die zunächst von der eingeschachtelten Didaktik und der wüsten, 
unübersichtlichen Komposition ablenkte und, wenn sie auch zu⸗ 
nächst noch am Gezierten und Schwülstigen festhielt, doch den 
Roman als in sich geschlossenes Kunstwerk zu begreifen suchte. 
Als Hauptwerk dieser Richtung kann von Zieglers „Asiatische 
Banise oder das blutige, doch mutige Pegu“ vom Jahre 1689 
angesehen werden. 
Indes noch ehe Zieglers „Banise“ erschien, waren weniger 
die schriftstellernden adligen Kreise und ihr bürgerlicher Anhang, 
als diejenigen literarischen Kräfte, welche man als schlechthin 
bürgerlich bezeichnen kann, weitergegangen: sie hatten den 
Roman zur Form einer neuen Kunst zu machen begonnen, die 
leise aus dem Wege der bloßen Renaissancekunst herausstrebte. 
Die Hauptvertreter dieser Strömung sind Johann Michael 
Moscherosch (1601 -1669), aus einer unter Karl V. aus Ara— 
gonien eingewanderten Familie, längere Zeit Amtmann im Links— 
rheinischen, später Fiskal in Straßburg und schließlich Rat in 
Kassel, und Hans Jakob Christoffel v. Grimmelshausen (1625 - 75),
	        
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