Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

286 Swanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Innerhalb dieses reichen Verfassungslebens vollzog sich 
nun eine ständige Entwicklung zu ganz modernen Formen da— 
durch, daß für die Abgrenzung der in ihnen zugelassenen und 
tätigen Mitbürger von den bloßen Einwohnern der Stadt, ins⸗ 
besondere für die Abgrenzung der Bürger der Gesamtgemeinde 
von diesen Einwohnern stetig freiere und modernere Unter— 
scheidungsmerkmale gesucht wurden: während anfangs noch 
allein, nach naturalwirtschaftlicher Sitte, Grundbesitz Eintritts⸗ 
berechtigung in die Bürgerschaft gewährte, war es später 
immer mehr ein gewisser sicherer Kapitalbesitz oder höherer, 
insbesondere gelehrter Beruf, der bevorrechtete: die Fortschritte 
der Geldwirtschaft und der sozialen Schichtung nach Berufen 
einschließlich schon eines solchen der Kopfarbeiter wurden un— 
verhältnismäßig früh von Bedeutung. 
Je mehr sich aber das Rekrutierungsgebiet der drei großen Ver⸗ 
fassungsformen erweiterte, um so stärkeres Leben pulsierte auch in 
ihnen; die von jeder von ihnen gebildeten Ausschüsse wurden immer 
zahlreicher und griffen zur Bewältigung des bürgerlichen Lebens 
immer mehr ineinander, je mehr der Rat sie anerkannte, be— 
günstigte oder teilweis wohl gar hervorrief. Natürlich aber, 
daß unter dieser weitverbreiteten Tätigkeit der Massen, der 
ganzen großen Gemeinde der Rat verhältnismäßig zurücktrat: 
ein System der Isopolitie aller bürgerlichen Elemente wurde 
somit erreicht, das eine reiche Blüte der geistigen Kräfte fast 
von selbst bedingte und einschloß. 
Um 1712, mit der Beilegung der inneren Zwiste zwischen 
Rat und Bürgerschaft durch den sogenannten Unionsrezeß, war 
das volle Ausleben dieser glücklichen Konstellation gewährleistet: 
und kein Wunder, wenn damit zugleich ein noch höherer wirtschaft— 
licher Aufschwung eintrat. Neben den schon vorhandenen Handel 
trat eine nicht unbedeutende Industrie der Seide und Baumwolle 
in Sammetweberei und Kattundruck; dazu eine starke Bijouterie; 
besonders wichtig wurde allmählich die Zuckersiederei nach hollän⸗ 
dischem und englischem Vorbilb. Das führte dann wieder zu er⸗ 
höhtem Import und Export; und schließlich ermöglichte es der stei⸗ 
— Frankreich, in der zweiten Hälfte
	        
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